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Mittwoch, 19 August 2020 07:00

Galvanotechnische Aus- und Weiterbildung im Raum Schwäbisch Gmünd – Eine Zeitreise (Teil 1)

von Hasso Kaiser
Geschätzte Lesezeit: 3 - 5 Minuten
Abb. 1: Z.O.G.-Seminar „Grundlagen der Edelmetall-Verfahren in Theorie und Praxis“, Schwäbisch Gmünd [1] Abb. 1: Z.O.G.-Seminar „Grundlagen der Edelmetall-Verfahren in Theorie und Praxis“, Schwäbisch Gmünd [1]

Das am 28.11.1986 gegründete Zentrum für Oberflächentechnik Schwäbisch Gmünd e.V. (Z.O.G.) ist ein Zusammenschluss von Schulen, Institutionen und Firmen, die Veranstaltungen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Oberflächentechnik anbieten.

Abb. 2a: Z.O.G.-Seminar „Grundlagen der Edelmetall-Verfahren in Theorie und Praxis“, Schwäbisch Gmünd [4]Abb. 2a: Z.O.G.-Seminar „Grundlagen der Edelmetall-Verfahren in Theorie und Praxis“, Schwäbisch Gmünd [4]Anlass für die Gründung waren die Anforderungen an die Fachkräfte in diesem Sektor. Diese Anforderungen waren im Laufe der Jahre erheblich gestiegen und nehmen auch heute noch von Jahr zu Jahr zu. In gleicher Weise, wie sich die Digitalisierung und Automatisierung in allen Bereichen der Wirtschaft etabliert, erhöhen sich die Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitskräfte. Es reicht nicht mehr aus, sich in einem einmal erlernten Beruf praktische Erfahrungen anzueignen, sondern es geht immer wieder darum, sich an neuen Trends und innovativen Technologien zu orientieren und sich entsprechend den Erfordernissen weiterzubilden [2]. In Gmünd gab es zwar eine ungewöhnlich hohe Dichte von Ausbildungsinstitutionen auf dem Gebiet der Oberflächentechnik sowie das Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie (fem) mit einem hohen internationalen Bekanntheitsgrad ebenso wie eine Galvanofachfirma für Edelmetalle, aber die Defizite der Branche bei der Weiterbildung von Fachleuten waren inzwischen unübersehbar.

Aus diesem Grunde hatten Professor Dr. Christoph Raub (fem) und Direktor Hasso Kaiser (Degussa Galvanotechnik) vorgeschlagen, die in Schwäbisch Gmünd reichlich vorhandenen Schulungsmöglichkeiten aller Institutionen zusammenzufassen und auch für die Weiterbildung zu nutzen. Der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Schuster war von dieser Idee sehr angetan und übernahm den ihm angetragenen Vorsitz der neuen Einrichtung deshalb gern. Dies auch in der Absicht, die Innovationskraft der heimischen Wirtschaft zu stärken sowie Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern.

Warum startete diese Initiative in Schwäbisch Gmünd?

Abb 2b: Probieren geht über StudierenAbb 2b: Probieren geht über StudierenIn Schwäbisch Gmünd blickt man auf eine jahrhundertealte Edelmetalltradition zurück. Gold- und Silberschmiede waren hier bereits seit der Stauferzeit tätig. Das Edelmetallgewerbe war aber immer sehr krisenanfällig. Deshalb versuchte man bereits 1776 die Situation der „Luxusartikel“ durch Gründung einer Zeichenschule zu verbessern. Dort wurden junge, gut ausgebildete Fachkräfte herangezogen, um die begrenzten Absatzmöglichkeiten der teuren Edelmetallerzeugnisse durch neue Produkte zu erweitern. Wenige Jahrzehnte später (1818) gab es sogar eine Denkschrift an den König, sich für die Entwicklung eines Verfahrens einzusetzen, wie eine „schöne und haltbare goldähnliche Farbe und Glanz für „Semilor-Produkte“ [3] entwickelt werden könnte“ – es sollte also eine Art Vergoldung gefunden werden. Das erste Galvanopatent erhielt 1840 Werner von Siemens und bereits 1842 legte der Stammvater der Degussa – Friedrich Ernst Rößler – eine „Praktische Anleitung zur galvanischen Vergoldung und Versilberung“ vor. Schon um 1844 wurden dann Produkte von Gmünder Firmen auf galvanoplastischem Wege hergestellt – beispielsweise der Hildesheimer Silberschatz. Der sparsame und sorgfältige Umgang mit Edelmetallen war Anlass für die Weiterentwicklung der Edelmetallchemie und davon ausgehend Motor für die weitergehende Entwicklung neuer Oberflächentechniken. Aus dem lokalen Edelmetallgewerbe in Gmünd entstanden im Laufe der Zeit ein Schwerpunkt der Edelmetallchemie sowie eine Vielzahl von Ausbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für die dafür benötigten Fachkräfte.

Im Z.O.G. zusammengefasst wurden zunächst die Stärken folgender Institutionen, um praxisnahe Schulungen zu ermöglichen und das dabei erworbene hohe Wissensniveau berufsbegleitend auf dem stets neuesten Stand zu halten und zu vertiefen:

  • Galvanotechnikerschule
  • Gewerbliche Schule
  • Pädagogische Hochschule
  • Forschungsinstitut für Edelmetalle u. Metallchemie
  • Degussa Galvanotechnik GmbH
  • Technische Akademie
  • Verein der Freunde und Förderer der Galvanoschulen

Z.O.G. Geschäftsführer Erich Arnet beim ersten Webinar 2013 [5]Z.O.G. Geschäftsführer Erich Arnet beim ersten Webinar 2013 [5]Ergänzend kamen die Schulungsmöglichkeiten der Hochschule Aalen für Technik und Wirtschaft (HTW), die Erfahrungen der Galvanofachfirma Dr.-Ing. Max Schlötter GmbH & Co. KG in Geislingen mit Nichtedelmetall-Verfahren und die Stärken der Firma Helmut Fischer GmbH in Sindelfingen bei neuen Messmethoden und Messgeräten hinzu.

Bereits das erste Jahresprogramm des Z.O.G. fand in der Fachwelt großes Interesse. In 40 Veranstaltungen wurden nicht nur klassische Themen angeboten, sondern auch neue Oberflächentechniken für die Herstellung von Halbleitern und Leiterplatten und die Mikrofertigung. Auch andere moderne Anwendungen wurden angemessen berücksichtigt.

Diese Weiterbildungsangebote wurden von Anfang an nach einem Wahlspruch Goethes konzipiert: „Sage es mir, und ich werde es vergessen; zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten; lass es mich tun, und ich werde es können.“ So wurden die Z.O.G.-Veranstaltungen auf jeweils 20 bis 25 Teilnehmer begrenzt, die zudem fast immer die Möglichkeit bekamen, ihre neu erworbenen Kenntnisse in modernen Industrie- und/oder Forschungslaboren unter Anleitung von Praktikern zu testen.

Von diesen neuen Weiterbildungsmöglichkeiten besonders angesprochen fühlten sich Fachkräfte der Branche, die ihre Ausbildung als Galvaniseure, Techniker oder Meister in Schwäbisch Gmünd absolviert hatten. Viele von ihnen waren mit Führungsaufgaben betraut und daher für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter besonders aufgeschlossen. Allein die Technikerschule ging damals von mehr als 800 Absolventen aus.

Die Z.O.G.-Initiative war von Anfang an erfolgreich und konnte schon nach wenigen Jahren erstaunliche Erfolge vorweisen. Die Teilnehmerzahlen stiegen und das Bildungskonzept hat sich bewährt und stetig weiterentwickelt. Viele der Teilnehmer sind Stammgäste in den Seminaren und Teil eines ständig wachsenden Expertennetzwerkes und erhalten „Gmünder Weiterbildungspunkte“. -wird fortgesetzt-

Literatur

Galvanotechnik (2014) 11, Grundlagen der Edelmetall-Verfahren in Theorie und Praxis, S. 2380 ff
ZOG Programmheft (2018), Vorwort Dr. Andreas Zielonka
Semilor: Hellgelbe, als Goldersatz dienende Legierung des 18. Jh., bestehend aus Kupfer, Zink und Zinn
Galvanotechnik(2014) 11, Grundlagen der Edelmetall-Verfahren in Theorie und Praxis, S. 2380 ff
Galvanotechnik(2014)2, Erstes Z.O.G.-Webinar: Vorteile platinierter Titan- und Niobanoden mittels Hochtemperaturelektrolyse (HTE), S. 316 ff

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  • Ausgabe: 8
  • Jahr: 2020
  • Autoren: Hasso Kaiser, Dr. Andreas Zielonka, Thomas Engert

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