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Donnerstag, 15 Oktober 2020 10:00

Potential für mehr als ein Leben

von Heinz Käsinger
Geschätzte Lesezeit: 4 - 7 Minuten

Die Mülheimerin Petra Pepper fertigt Kunstgegenstände aus Glas und veredelt sie mit galvanisch aufgebrachten Stilelementen.

Ich habe schon immer gerne gewerkelt und mich kreativ versucht“, beginnt Petra Pepper, wenn sie nach der Motivation gefragt wird, Kunstgegenstände ausgerechnet galvanisch zu veredeln. „Zuerst konzentrierte ich mich auf die Malerei – mit zwei Malkursen und Frühwerken in Acryl.“

Das war vor neun Jahren und zwischenzeitlich ist Petra Peppers Kunst dreidimensional geworden, denn 2014 hat sie den Werkstoff Glas für sich entdeckt: „Ich war so fasziniert, dass man Glas am Tischbrenner schmelzen kann, dass ich mich umgehend für einen Basiskurs angemeldet und gleich darauf einen kleinen Arbeitsplatz zuhause eingerichtet habe.“ Dass sie neugierig und experimentierfreudig ist, schreibt sie ihrem Beruf als Laborantin zu, nennt die beiden Eigenschaften gar „eine Berufskrankheit“.

Diese Berufskrankheit – mit Unterstützung der Inspirationsquelle World-Wide-Web – führte dann schließlich dazu, dass Pepper erste Gehversuche mit galvanisch veredeltem Glas gemacht hat. gt 2020 10 0100

„Der Zufall bescherte mir eine gebrauchte Galvanikanlage, da konnte ich einfach nicht anders, als Glaskunst mit Galvanokunst zu verbinden.“ Dass das so einfach nicht ist, merkte Pepper schon nach den ersten Gehversuchen. Zwar hatte die Verkäuferin des Gleichrichters ihr ein 30 Jahre altes Hobbythek-Buch geliehen, anhand dessen die Künstlerin dann loslegte, doch nach drei Versuchen, es handelte sich um Anhänger, war erst einmal wieder Schluss. Obwohl das Ergebnis durchaus gelungen war.

Trotzdem, die Saat war gestreut und nach intensiven Literatur- und Internetrecherchen ging es weiter. Bei einer Werkstattauflösung erstand Pepper einen besseren Gleichrichter und einen großen Topf mit Kupferleitlack. Überhaupt: „Chemie über das Internet zu bekommen, ist kein Problem und im Metallhandel in der Nähe gab es ein paar Kupferabfälle für mich.“ Peppers Ehrgeiz war geweckt.

Dass Ehrgeiz alleine nicht reicht, merkte Petra Pepper gleich, nachdem die ersten Ergebnisse vorlagen. „Ich hatte massive Probleme mit der Schichthaftung und überhaupt war diese oft unschön. Heute weiß ich, dass ich damals wahrscheinlich alle Fehler gemacht habe, die man nur machen kann.“ Also hieß es wieder recherchieren und lernen. Tipps und Impulse bekam die Künstlerin erneut im Internet und hier vor allem im Facebook-Forum Galvanotechnik. Heute raut sie die Glasoberfläche mit einem Handschleifgerät auf, ritzt das Werkstück ein, und entfettet schließlich mit Spiritus. Dann kommt ihr Geheimtipp zum Einsatz, Jasons Dipp, ein selbst angerührter Graphitleitlack nach einem Rezept von Jason Welsh. Derzeit verkupfert Pepper ihre Glasstücke ausschließlich, wozu sie einen sauren Kupferelektrolyten verwendet. Mal ganz ohne Zusatz, mal mit Zusätzen nach (wiederum) Jason Welsh. Aus Schleifen und Polieren, teilweise auch Patinieren besteht dann die Nachbehandlung. Die neuen Ergebnisse können sich zweifellos sehen lassen, trotzdem sieht sie sich selbst noch immer in der Phase, das für sie Beste zu finden.

Galvano-Start mit gebrauchter Anlage

Natürlich bietet sich in der Kunst auch die Verwendung hochwertigerer Materialien, beispielsweise Gold oder Silber. Edelmetallschichten aber möchte Petra Pepper nicht selber galvanisch aufbringen: „Mein eigentliches Medium ist ja das Glas. Sollte es einmal Stücke geben, die ein Upgrade von Kupfer auf ein Edelmetall verdienen, würde ich das extern vergeben. Es ist aber richtig, dass es furchtbar viel Gestaltungstechniken gibt, da steckt Potential für mehr als ein Leben drin!“

In diesen Zusammenhang stellt sie auch die Anodisation, die sich im Schmuckdesign durchaus auch anbieten würde, beispielsweise mit Aluminium oder gar mit Titan. Zwar bewertet Pepper das als „ein interessantes Thema“, weiß jedoch auch, dass es technisch anspruchsvoller sein wird. Ihr räumliches und zeitliches Limit schätzt sie da ganz realistisch ein. Trotzdem hat die Künstlerin auch schon Stücke vergoldet und versilbert. Aber eben nicht galvanisch sondern durch Aufbrennen. Galvanisieren im kleinen Maßstab. Hier wird sauer verkupfert.Galvanisieren im kleinen Maßstab. Hier wird sauer verkupfert.

Wobei die seit Jahrtausenden bekannte Methode der Feuerbeschichtung (also mit einem Quecksilberamalgam) nicht infrage kommt. Vielmehr wird im künstlerischen Bereich ein Blattmetall   (z. B. Blattgold) auf das noch heiße Werkstück aufgebracht. Das Werkstück muss dabei die richtige Temperatur haben. Ist es zu heiß, verbrennt das aufgebrachte Metall gleich wieder. Auch Silberdraht wird als Designelement manchmal um eine Perle gelegt. Durch Erhitzung bildet der Draht kleine Kügelchen, was einen schönen Effekt gibt.

Galvanotechnisch gesehen ist sie also noch in der Findungsphase, kritisch sieht sie das aber nicht. Denn: „Eine technisch fehlgeschlagene Galvanikbeschichtung kann künstlerisch durchaus wertvoll sein.“

Auch Pflanzen werden beschichtet

Neben Petra Peppers Lieblingsmedium Glas beschichtet sie auch Pflanzen und Pflanzenteile. Während beim Glas die Haftung das größte Problem darstellt, sind es beim Beschichten von Pflanzen vor allem die filigranen Strukturen. Bislang beschichtete die Künstlerin nur frische Pflanzen, das heißt, sie wurden vor der Bearbeitung nicht getrocknet. Sie werden bestrichen oder in einen dünnen Lack getaucht. Während Orchideen und Blätter meist dick genug sind, um die Form zu halten, wird dies mit feinen Blüten schon schwieriger. Oft fällt die Blüte zusammen. Auch da ist Pepper noch in der Experimentierphase. Eine Option sieht sie darin, die Blüten zwei Mal zu lackieren. Zuerst mit einem Klarlack, später dann mit dem Leitlack.

Ein bekannter Fotografenspruch lautet, dass ein Motiv nicht in der Kamera sondern im Kopf des Fotografen entsteht. Wie inspiriert sich Pepper für ihre Werke? „Die Bilderflut im Internet überfrachtet mich oft. Trotzdem hole ich mir da Anregungen. Meist habe ich eine grobe Idee im Kopf – und dann wird doch alles anders. Ohnehin ist das Schmelzen von Glas eine spontane Sache, man muss dem Glas folgen, später gibt es kein Korrigieren mehr.

Verändert oder verbessert kann jedoch später durch die Kaltverarbeitung werden, wozu eben die Galvanik gehört. Hier folgt Pepper dann spontanen Ideen, lässt ihrer Kreativität freien Lauf. Einen „dynamischen Prozess“ nennt sie das: Mit einer Idee starten und sehen, wo sie hinführt.

Auch Künstler müssen sich mit den eher niederen Dingen des Alltags auseinander setzen und in diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie die verbrauchte Chemie aus den kreativen Prozessen später entsorgt wird. Es ist klar, dass Petra Pepper ihre Chemie am städtischen Schadstoffmobil zur fachgerechten Aufbereitung abgibt.

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Nicht geglaubt hätte die Künstlerin, dass sie es einmal zu solch einer Kunstfertigkeit bringen wird, die es ihr erlaubt, ihr Wissen und Können an andere weiter zu geben. Umso mehr findet sie Gefallen daran, Einzelkurse für fortgeschrittene Perlenmacher zu geben. Insgesamt freut sich Petra Pepper, dass in Zeiten zunehmender Vereinheitlichung der Gesellschaft die Individualität wieder mehr Raum gewinnt. Selbstgemachtes, wie Kleidung, Möbel, Schmuck, selbst Lyrik oder kreatives Schreiben kommen bei den Menschen an. Sie ermutigt die Leute, sich Anregungen im Netz zu holen: „Youtube, Facebook, Pinterest sind voller Anregungen. Oft wird die Anleitung zum Selbermachen gleich mitgegeben und die Menschen sehen, wie einfach manches sein kann, was sie sich vorher nie zugetraut hätten. Man braucht dann die Anleitung oft nur noch genau nachzuarbeiten.

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Ein fertiges Werk. Edelmetalle wird sie, wenn sie zum Einsatz kommen, aber aller Wahrscheinlichkeit nach extern aufbringen lassen.Ein fertiges Werk. Edelmetalle wird sie, wenn sie zum Einsatz kommen, aber aller Wahrscheinlichkeit nach extern aufbringen lassen.Was bringt die Zukunft für Petra Pepper selbst? Was möchte sie (er-)schaffen? Stehen große Projekte an?

Sie selbst macht sich darüber nur wenige Gedanken. „Ich plane in diese Richtung nichts. Auch die Entwicklung der letzten fünf Jahre war schließlich nicht geplant.“ Nur eines hat sie sich vorgenommen, nämlich ihre Faszination und ihre Experimentierfreudigkeit, die sie ihren Antrieb nennt, nicht zu verlieren. Aber da besteht kaum Gefahr. Sicher ist: „Solange ich mir Spieltrieb und Neugierde erhalten kann, wird sich meine Kunst entwickeln. Wohin, werden wir sehen.“

In Petra Peppers Werkstatt entsteht vorwiegend Glaskunst, die sie jedoch von Fall zu Fall mit einer kleinen Galvanikanlage beschichtet. Sie verkupfert ausschließlich – in einem sauren Kupferelektrolyten.

Petra Pepper sieht sich in erster Linie als Glas- und nicht als Galvanokünstlerin. Die Herausforderung beim galvanischen Beschichten von Pflanzen liegt in deren teilweise sehr zarten Strukturen. Sie löst das Problem, indem sie zwei Mal mit Lack vorbehandelt, einmal mit einem leichten Klarlack, dann mit einem eher zähen Leitlack

Anfangs war die Werkstatt der Künstlerin nur bescheiden ausgestattet, mittlerweile hat sie respektable Ausmaße an Ausstattung angenommen. Zu Glasstäben vielerlei Formen gesellt sich auch die Chemie für die Kleingalvanik – mit ein Grund, warum Petra Pepper nicht selbst Edelmetallschichten galvanisieren will. Sie will schlicht nicht so viel Chemie im Haus haben.

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