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Mittwoch, 21 April 2021 11:59

Vorbereitung auf die Zukunft

von
Geschätzte Lesezeit: 5 - 9 Minuten
Abb. 4: Prinzipdarstellung von Millenium V4 Abb. 4: Prinzipdarstellung von Millenium V4

Schweizer Electronic hat in den vergangenen zwölf Monaten wichtige Maßnahmen zur Festigung und zum Ausbau der Position als einer der führender internationalen PCB-Produzenten realisiert. Nachfolgend ein kurzer Einblick in die auf die Zukunft ausgerichtete Unternehmensplanung.

In der NTI-Top-100-Liste der weltweit führenden Leiterplattenhersteller, die einen Jahresumsatz von mehr als 100 Mio. $ aufweisen, hat Dr. Nakahara die Schramberger Schweizer Electronic AG für 2018 auf Platz 97 positioniert, für 2019 jedoch um vier Plätze zurück auf Position 101. Der Umsatz verringerte sich von 2018 zu 2019 um etwa 3,5 %, während in der Liste benachbart gelegene Firmen ihren Umsatz steigerten.

Im Corona-Jahr 2020 musste die familiengeführte Aktiengesellschaft, ebenso wie manche andere Hersteller zusätzlich beträchtliche Umsatzeinbußen in der Board-Fertigung hinnehmen, nicht zuletzt auch wegen der schwächelnden Automobilindustrie. Das Management führte zeitweise Kurzarbeit ein und passte den Personalbestand am Hauptstandort Schramberg der entstandenen Situation durch unterschiedliche Mittel an. Konkret heißt das, dass es auch Mitarbeiter entlassen musste. Heute wird eine Belegschaft von 1000 Mitarbeitern angegeben. Um diesem Abwärtstrend Einhalt zu gebieten und ihn in einen Aufwärtstrend umzuwandeln, ergriff das Unternehmen schon 2020 im Rahmen einer neuen, auf die Zukunft ausgerichteten Firmenstrategie verschiedene Maßnahmen und setzte diese im ersten Quartal 2021 fort: Abb. 1: Neue PCB-Fabrik von Schweizer Electronic in Jintan (China)Abb. 1: Neue PCB-Fabrik von Schweizer Electronic in Jintan (China)

  • Deutliche Kapazitätserweiterung der Leiterplattenproduktion ab 2021 mit der neuen Leiterplattenfabrik in China
  • Erweiterung der Vertriebswege
  • Forcierung der Automatisierung der Board-Produktion
  • Neuer Internetauftritt
  • Mehr fachpolitisches Engagement in der Elektronikbranche.

Kapazitätserweiterung

Durch die Inbetriebnahme des neuen neuen High-Tech-Leiterplattenwerkes in Jintan (China), verbunden mit der schrittweisen Realisierung der notwendigen Zertifizierungen als Kfz-Zulieferer wie ISO 9001, VDA 6.3, IATF 16949 (Automotive), kann die Gesamtkapazität von Schweizer in der Leiterplattenproduktion signifikant gesteigert werden (Abb. 1). Das neue Werk soll laut Firmeninformation etwa die fünffache Leistung des Werkes in Schramberg aufweisen. Bis Mitte 2020 wurden etwa 100 Mio. € investiert, mit etwa 40 Mio. € soll weiteres Geld folgen. Laut Nicolas Schweizer, Vorstandsvorsitzender der Schweizer Electronic AG, sieht sich die Firmenleitung mit den beiden Produktionswerken in Deutschland und China bezüglich der unterschiedlichen Anforderungen aller Marktsegmente für die Zukunft gut aufgestellt. Gelingt es, die Produktionskapazitäten optimal auszunutzen, dürfte es das Unternehmen schaffen, in der zukünftigen NTI-100-Liste um einige Positionen deutlich nach vorn zu rücken. Während sich der Kapazitätsausbau vor allem auf Asien konzentriert, soll es in der deutschen Produktion im Kern um den Ausbau der technologischen Fähigkeiten der Produktion gehen, um den Standort Schramberg langfristig zu sichern (Abb. 2, 3).

Abb. 2: HF-Leiterplatten für den 77GHz-Bereich von Schweizer ElectronicAbb. 2: HF-Leiterplatten für den 77GHz-Bereich von Schweizer Electronic

Abb. 3: FR4-Flex-Leiterplatte von Schweizer ElectronicAbb. 3: FR4-Flex-Leiterplatte von Schweizer Electronic

Mehr Vertriebswege

Eine logische Maßnahme von Schweizer im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des neuen leistungsfähigen Werkes in China ist die Erweiterung der Vertriebskanäle insbesondere in Asien selbst. Im August 2020 gab das Unternehmen bekannt, dass es eine Handelsvertreter-Vereinbarung mit der Varikorea Co. Ltd. in Südkorea abgeschlossen hat [1]. Der Partner ist jetzt berechtigt, Hightech-Leiterplatten der Schweizer Electronic AG sowie ihre Embedding-Lösungen in seinem Verkaufsgebiet zu vertreiben. Somit steigt das Schramberger Unternehmen in den südkoreanischen Elektronikmarkt ein. Ziel ist es, insbesondere die leistungsfähige Automobilindustrie des Landes zu versorgen. Varikorea tritt als ein Gesamtlösungsanbieter auf, der sich auf den Automobil- und Industriemarkt spezialisiert hat und sich auf die starke lokale technische Unterstützung in den Bereichen Displayprodukte, Halbleiter, Embedding-Lösungen und Robotik stützt. Auf seiner Internet-Hauptseite stellt die Firma demonstrativ vor allem eine Auswahl von Epson-Gelenkarmrobotern vom Scara-Typ vor, auf weiteren Seiten Automatisierungslösungen mit diesen Robotern. Die Epson Robot Management-Lösungen könnten durchaus auch in der deutschen Elektronikindustrie zum Einsatz kommen.

Gegenwärtig hat Schweizer in seiner Weltkarte auf den neuen Internetseiten vier Standorte (Schramberg, Jintan und Jiangsu in China, Singapur) sowie vier zusätzliche Vertriebspartner (Nisko in Israel, Neutronics für USA/Canada, Nagase für Japan, Varikorea für Südkorea) eingetragen. Hier gleich eine kleine Anmerkung zu diesen Einträgen: Die farbliche Kennzeichnung für die Standorte und Vertriebspartner unterscheidet sich so minimal, dass man schon sehr genau hinschauen muss, welcher Farbpunkt was bedeutet. Erst durch Anklicken der Punkte und das dabei aufgehende Fenster gibt es Gewissheit. Das sind zwar Kleinigkeiten, sie hätten bei der Neugestaltung der Internetseiten aber durch deutlichere Farbunterschiede eindeutiger gelöst werden können. Kontrastreiche Farbwahl ist ja auch ein Merkmal in der Leiterplattenfertigung, z. B. bei Lötstopplacken.

Automatisierung

Gerade in der herausfordernden Corona-Zeit investieren Leiterplattenhersteller in die Automatisierung ihrer Fertigung, um vorbereitet zu sein, sobald der Wiederaufschwung einsetzt. Darüber wurde ausführlich im Leiterplattenteil von Plus 12/2020 berichtet. Modernisierungen von Produktionsanlagen, die das Ziel haben, durch hocheffiziente automatisierte Fertigung eine konkurrenzfähige Leiterplattenproduktion in Deutschland sicherzustellen, lassen sich in Zeiten nicht voll ausgelasteter Fertigungslinien besser umsetzen. Schweizer geht augenscheinlich diesen Weg und trifft Maßnahmen, die Leiterplattenfertigung durch Automatisierung auf ein höheres, langfristig konkurrenzfähiges Niveau zu heben und sich auf die zukünftigen Anforderungen von Industrie 4.0 vorzubereiten.

Das spanische Unternehmen Technosystem teilte im Januar 2021 mit, dass es Automatisierungssysteme für die Leiterplattenproduktion der Schweizer Electronic AG in Schramberg lieferte [2]. Technosystem geht solche Projekte immer mit dem Ziel an, die Durchlaufzeiten in der Leiterplattenfertigung des Kunden zu optimieren. Die Automatisierungssysteme werden, so die Firma, in Bezug auf Platzbedarf, Prozessgeschwindigkeit und die verfügbare Hard- und Software exakt an die individuellen Bedürfnisse des Anwenders angepasst.

Im konkreten Projekt ging es um die Modernisierung einer
Braunoxid-Linie in der Leiterplattenherstellung. Schlüsselanforderungen an die High-End-Automation waren unter anderem Zykluszeiten von 12 Sekunden pro Zuschnitt, der schnelle automatische Austausch von Boxen beziehungsweise L-Racks ohne Unterbrechung der Fertigung sowie das kontaktlose Ausrichten der Arbeitsformate durch CCD-Kameras. Es wurden Roboterarme implementiert, die in Hochgeschwindigkeit auch Dickkupfer-Zuschnitte mit einem Gewicht von bis zu 4,5 kg handhaben können. Technosystem zitierte das Beschaffungsteam von Schweizer so, dass durch den Einsatz neuester Technologien alle Schlüsselziele der Automatisierung in der Fertigung erreicht oder übertroffen werden konnten.

Technosystem gehört zur spanischen Gabriel Benmayor SA, einer Firmengruppe mit recht unterschiedlichen Produktionsrichtungen [3]. Die Firma hat sich seit ihrer Gründung vor 25 Jahren auf die Entwicklung und Herstellung von Automatisierungsanlagen für die Leiterplattenindustrie spezialisiert. Eine Arbeitsrichtung ist die Automatisierung des Handlings von Leiterplatten in deren unterschiedlichen Bearbeitungsetappen mit Robotern. Gemäß [2] bzw. [3] nutzt Schweizer wahrscheinlich eine Anlage ähnlich Millenium V4 mit zwei 6-Achsen-Hochleistungsrobotern zum Handling (Be- und Entladen) der Boards in der Anlage (Abb. 4). Genauere Angaben seitens Schweizer liegen dazu nicht vor. Das Management berichtet generell wenig über technologische Veränderungen in Pressemitteilungen.

Neuer Internetauftritt

In der Vergangenheit wies der Autor dieses Berichtes wiederholt auf die wachsende Bedeutung von ‚gefälligen' und aussagekräftigen Internetseiten für die Unternehmen hin. Die besonderen Bedingungen während der Corona-Epidemie unterstrichen noch, dass in Zeiten des Wegfalls wichtiger Branchenmessen in der klassischen Form wie electronica oder productronica die Internetseiten der Firmen weiter an Bedeutung gewinnen. Sie sind das  Abb. 5: Nicolas-Fabian SchweizerAbb. 5: Nicolas-Fabian Schweizerdigitale Schaufenster für die Selbstdarstellung der Firmen. Durch sie kann das Unternehmen mit seinen Kunden rund um die Uhr kommunizieren und neue Kunden gewinnen.

Es ist erfreulich zu sehen, dass Schweizer Electronic die Neugestaltung seines Internetauftritts augenscheinlich als eine wichtige Komponente seines Maßnahmenbündels für die Stärkung der Marktposition und Neuausrichtung auf die Zukunft der Firma ansieht.

In seiner Pressemitteilung vom 1. März 2021 schreibt das Management u. a.: „Das neue Firmendesign und der Webauftritt, der ab 1. März 2021 online geht, sind ein weiterer wichtiger Schritt von Schweizer auf dem Weg in eine neue Ära der Firmengeschichte. Mit dem neuen Produktionswerk in China, dem Standort in Singapur sowie dem Hauptsitz in Schramberg ist es Schweizer wichtig, auch das digitale Erscheinungsbild an die globale, wachstumsorientierte und innovative Ausrichtung des Unternehmens anzupassen.“

Weiterhin heißt es in der Mitteilung: Bei der neuen Website rücken die konsequente Kunden- und Lösungsorientierung in den Mittelpunkt. Eine zielgruppengerechte, digitale Ansprache von bestehenden und neuen Kunden ist insbesondere in einer solch herausfordernden Zeit ausschlaggebend. Wenn der persönliche Kontakt zu Kunden, Partnern und Investoren nicht möglich ist, ist ein innovativer, digitaler Auftritt besonders entscheidend. Durch die modern strukturierte und detaillierte Darstellungsweise der Technologien, Lösungen und Produkte, gepaart mit verstärktem Fokus auf Innovation und Service, wird die Schweizer Electronic AG ihrer Verbindung Deutschland-Asien sowie dem Anspruch eines globalen Unternehmens gerechter als zuvor. Dies wird Schritt für Schritt in verschiedenen Sprachen realisiert. Neben einer intuitiven Benutzerführung wurde auch großer Wert auf die Bedienbarkeit auf allen Arten von Endgeräten gelegt – vom Smartphone bis zum Desktop. Gemeinsam mit der Kommunikation über Soziale Medien rundet die neue Website nun den Auftritt des Unternehmens in der digitalen Welt ab

Der Autor fand die Gestaltungsform mit großen kontrastreichen Schriften, gekonnter Hintergrundgestaltung, lebendigen Bildern aus dem Betriebsgeschehen, vielen textlichen und bildlichen Fachinformationen sehr ansprechend und anregend. Die neuen Internetseiten könnten so tatsächlich widerspiegeln, dass Schweizer kompetent ist, eine riesige Bedarfsbreite der Elektronikindustrie bei Leiterplatten versorgen zu können.

Der Aufbau des neuen Geschäftsbereichs Systems ist eine weitere logische Konsequenz der auf die Zukunft ausgerichteten Unternehmensplanung. Durch Systemlösungen, darunter Embedded-Technologien, profitieren Kunden vom maßgeschneiderten Formfaktor, von verbesserter elektrischer und thermischer Leistungsfähigkeit, der Möglichkeit des aktiven IP-Schutzes, erhöhter Zuverlässigkeit. Leiterplatten werden immer mehr zum Systemträger, die auf integrierten passiven und aktiven Komponenten unterschiedlichster Art basieren. Ziel ist es immer, die Systemkosten weiter zu reduzieren, aber auch zur Erhöhung des Umweltschutzes und der Energieeffizienz beizutragen.

Übernahme des Vorsitzes im ZVEI-Fachverband PCB-ES

Nicht nur im Internet will sich Schweizer sichtbarer machen, sondern auch auf der fachpolitischen Ebene des Industriebereiches Elektrotechnik/Elektronik. Dass Nicolas-Fabian Schweizer sich zur Wahl des neuen Vorsitzenden ZVEI-Fachverbandes Printed Circuit Boards and Electronic Systems (PCB-ES) gestellt hat, unterstreicht dies. Mit seiner Wahl zum Nachfolger von Johann Weber hat der Fachverband nun, nach einem Vorsitzenden, der mit der Zollner Elektronik AG ein Großunternehmen der EMS-Branche führte, den CEO eines Großunternehmens der Leiterplattenbranche an der Spitze (siehe auch ‚News PLUS'/www.plus-fachzeitschrift.de).

Referenzen:

[1] http://varikorea.com/
[2] https://evertiq.de/news/26587
[3] https://techno-system.es/

Weitere Informationen

  • Ausgabe: 4
  • Jahr: 2021
  • Autoren: Dr. Hartmut Poschmann

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