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Mittwoch, 14 Juli 2021 14:17

EMS-Special Leitartikel: Umfassender Service für den Produktlebenszyklus

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Geschätzte Lesezeit: 4 - 7 Minuten

Viele der als Bestücker oder Auftragsfertiger gestarteten Unternehmen haben sich zu modernen, zukunftsorientierten EMS-Unternehmen (Electronic Manufacturing Service) entwickelt. Sie bieten nun ein umfangreiches Service-Portfolio entlang der kompletten Wertschöpfungskette und für den gesamten Produktlebenszyklus. Im Zuge der Digitalisierung wird das Dienstleistungsangebot weiter ausgebaut und mit Online- bzw. Portallösungen ergänzt.

In der Elektronikindustrie sind Dienstleistungen für andere Unternehmen seit Langem üblich. Während früher oft nur das Bestücken bzw. die Montage von Elektronikbaugruppen als Dienstleistung angefragt und angeboten wurde, sind mit der Zeit viele weitere Dienstleistungen dazugekommen. Inzwischen reicht das Spektrum von der Entwicklung bzw. vom Design bis zur Entsorgung und deckt den gesamten Produktlebenszyklus ab. Und dies gilt nicht nur für Elektronikbaugruppen sondern auch bis hin zu kompletten Geräten und Systemen, die Elektronik enthalten. Der Auftraggeber/Kunde muss im Prinzip nur noch definieren, welche Eigenschaften sein Produkt haben soll (Produktidee/-konzept) und an wen was wann in welcher Menge geliefert werden soll. Für alles andere sorgen, sofern beauftragt, Dienstleister. So kann sich der Kunde voll auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und muss sich nicht um die – spezielle Ressourcen und große Investitionen erfordernde – Produktrealisierung kümmern. Denn für die Bereitstellung der benötigten Prozesse und Ressourcen sowie für die Logistik/Materialwirtschaft einschließlich Infrastruktur und Produktionskapazitäten ist der EMS-Partner verantwortlich.

Vielfalt erfordert Auswahl

Allein in Mitteleuropa haben mehrere Hundert EMS-Unternehmen ihren Sitz. Das Spektrum reicht von Kleinfirmen mit wenigen Mitarbeitern bis hin zu Weltkonzernen mit Tausenden von Mitarbeitern und Umsätzen im Milliardenbereich. Ähnlich vielfältig ist auch das Spektrum der in der EMS-Branche angebotenen Dienstleistungen. Ebenso gibt es Unterschiede, welche Kundenbranchen von den EMS-Unternehmen bedient werden. So gibt es Unternehmen, die sich nur auf eine (z. B. die Automobilbranche) oder wenige Branchen (z. B. mit sicherheitskritischen Produkten oder auf Massenprodukte wie Weiße Ware) konzentrieren. Nur die größeren bedienen (fast) alle Märkte. Entsprechend unterschiedlich ist auch das Know-how branchenspezifischer Produktvorgaben bei den EMS-Unternehmen, das für die Realisierung der Lösungen wichtig ist. Den passenden Partner zu finden, ist deshalb eine Herausforderung. Nur sofern die reine Bestückung als Dienstleistung gefragt ist, ist dies einfach, denn diese wird von allen angeboten. Wenn mehr als diese gewünscht wird, muss der Kunde genau mitteilen, was er möchte bzw. benötigt, um auch das passende Angebot zu erhalten. Und hier gibt es häufiger Kommunikationsprobleme zwischen den Kunden und den EMS-Firmen.

Mehr als nur Bestücken bedeutet Mehrwert für die Kunden

Die meisten modernen EMS-Unternehmen haben sich in typischer Weise aus Bestückern/Auftragsfertigern entwickelt. Dies spiegelt sich bis heute darin wieder, was üblicherweise von der Branche in der Kalkulation berücksichtigt wird, nämlich nur die Basisleistungen wie Design, Fertigung und/oder After Sales Service entsprechend der Kundenanfrage. Weitere Leistungen, die die Basisleistungen ergänzen und in der Regel nicht so offensichtlich sind, sogenannte Back-Stage-Dienstleistungen (Begriff geprägt von der ZVEI EMS-Initiative) werden nur bei entsprechendem Kundeninteresse in der Kalkulation bzw. im Angebot berücksichtigt und realisiert. Zu diesen zusätzlichen Dienstleistungen, die oft einen beträchtlichen Mehrwert darstellen, zählen z. B.:

  • Designoptimierung (DfX)
  • Traceability
  • Materialmanagement
  • Supply Chain Management
  • Obsoleszenzmanagement
  • Produkt-Compliance
  • Produktänderungen
  • Risikomanagement ...

Sie müssen im Vorfeld des Angebots zwischen dem Kunden und dem EMS-Partner abgestimmt werden. Insbesondere ist festzulegen, wer welche Verantwortung trägt sowie wer welche Leistung und wer die Kosten übernimmt. Es gibt allerdings auch Aufgaben, die nicht an ein EMS-Unternehmen verlagert werden können, wie die Produktverantwortung als namentlicher Hersteller bzw. In-Verkehr-Bringer (IP Ownerschaft) und Gewährleistungen für Kunden.

EMS bieten viel – kein Unternehmen kann alles bieten

Obwohl EMS-Unternehmen ein umfangreiches Leistungsangebot haben, können sie – das gilt auch für die größeren – nicht alles bieten. Denn nicht nur die zu realisierende Elektronik ist insgesamt zu komplex und zu vielfältig sondern auch der Markt und die Kundenbedürfnisse. So wird ein Massenfertiger Probleme mit der Realisierung eines Schnellschusses haben, nicht aber ein darauf spezialisiertes Kleinunternehmen. Aufgrund der Vielfalt der Anforderungen aber auch der Dienstleistungsangebote gilt es, den oder die passenden Partner zu finden. Hier ist ein kompletter Marktüberblick gefragt, was sich in Zukunft mit den derzeit angedachten bzw. im Aufbau befindlichen EMS-Online-/Portallösungen einfacher gestalten wird.
Es ist zwar technisch möglich mit derselben SMT-Linie sowohl Kleinststückzahlen als auch Großvolumen zu produzieren, aber dies ist wirtschaftlich eher nicht sinnvoll. Und dies gilt nicht nur für diesen Prozess (SMT-Linie) sondern für alle Prozesse: Das gesamte Equipment sollte auf die geforderten Mengen abgestimmt sein. Zudem müssen die Technik und die Qualität passen.

Standard oder Sonderlösung

Dass mit einer für die Folienbestückung konzipierten Rolle-zu-Rolle-Linie starre Leiterplatten nicht verarbeitet werden können, ist offensichtlich. Dass allerdings eine normale SMT-Linie für die Leiterplatten-Bestückung meist nicht (problemlos) zum Bestücken von Keramiksubstraten verwendet werden kann, ist weniger bekannt. Die gängigen Bestückungsautomaten sind auch nicht für das 3D-Bestücken (auf dreidimensionale Substrate) konzipiert. Diese wenigen Beispiele sollen verdeutlichen, dass in vielen Fällen schon für den ‚simplen‘ Prozess SMD-Bestücken auf das Produkt zugeschnittenes Equipment erforderlich ist. Deutlich kritischer sind diesbezüglich viele andere Prozesse wie z. B. THT-Montage, Lackieren, Vergießen, Gerätemontage und Test. Denn hier sind in der Regel spezifische Lösungen (v. a. Werkzeuge und Know-how, aber auch Spezialmaschinen) gefragt. Und diese müssen auch noch für die geplanten Anwendungen der gefertigten Produkte qualifiziert bzw. zugelassen sein. Insbesondere sicherheitskritische Produkte verlangen nach branchenspezifischen Lösungen bis hin zu Zertifizierungen.

Universalisten und Spezialisten

Reine Universalisten, die nur den allgemeinen Standard bieten, und reine Spezialisten, die sich nur auf ein spezielles Betätigungsfeld konzentrieren, gibt es zwar in der Branche. Häufiger sind aber Universalisten, die noch ein oder mehrere spezielle Betätigungsfelder haben. Beispielsweise gibt es Unternehmen, die zusätzlich zur Standard-SMD-Bestückung auch die Folienbestückung im Rolle-zu-Rolle-Verfahren anbieten. Andere bieten als Zusatzleistungen den 3D-Druck (Additivtechnik), den Schaltschrankbau oder den Gerätebau bis hin zur Systemintegration an. Manche Unternehmen haben zusätzlich zur Standardtechnik spezielle Schwerpunkte wie z. B.:

  • Miniaturisierung
  • Embedding (Einbettung von Bauteilen in die Leiterplatte)
  • Hochtemperaturbeständigkeit
  • Hochbeschleunigungsfestigkeit
  • Explosionsschutz
  • Test, Burn-In
  • Reparaturen
  • Reengineering
  • Analyselabor ...

Ferner zeichnen sich viele EMS-Unternehmen durch mehrere Zertifizierungen aus. Verbreitet sind Zertifizierungen nach folgenden Standards:

  • ISO 9001
  • ISO 14001
  • ISO 13485
  • IATF 16949
  • EN/AS 9100
  • ISO/TS 22163 (ehemals IRIS)
  • UL
  • FDA ...

Zudem gibt es EMS-Unternehmen, die sich in Fachverbänden engagieren und Netzwerke bilden. Dazu gehören z. B. die Unternehmen, die sich in der Initiative ‚Services in EMS‘ des ZVEI zusammengeschlossen haben, wozu auch eine Selbstverpflichtung zu einem größeren Dienstleistungsumfang gehört. Sie bieten den Kunden entsprechend dem Motto ‚Qualität durch Kompetenz und Dienstleistung nach Maß‘ einen einheitlichen Dienstleistungsstandard und haben in den letzten Jahren informative Faltblätter zu wichtigen Themen der EMS-Dienstleistungen publiziert (www.zvei.org/verband/fachverbaende/fachverband-pcb-and-electronic-systems/initiative-services-in-ems).

Auswahlkriterien bis hin zur Resilienz

Für jedes Projekt/Produkt einen passenden, möglichst den optimalen EMS-Dienstleister zu finden, ist angesichts der Vielfalt sowohl bei den Kundenanforderungen als auch bei den Dienstleistungsangeboten eine Herausforderung. Deshalb sind auch generelle Auswahlkriterien nicht zielführend. Empfehlenswert sind dagegen individuell zusammengestellte auf das Projekt/Produkt abgestimmte Kriterien, wobei alle zuvor genannten Fakten der EMS-Dienstleister berücksichtigt werden sollten. Der Kunde sollte ferner bewerten, ob es für ihn vorteilhafter ist, mit nur einem oder mit mehreren unterschiedlich aufgestellten EMS-Dienstleistern zusammenzuarbeiten. Wenn die Produkte ähnlich sind, ist oft die Beauftragung bei nur einem Dienstleister günstiger (Mengeneffekte und geringere Lieferantenzahl). Um die dauerhafte Verfügbarkeit und Resilienz weiter abzusichern, sollte aber auch über die Qualifikation eines Zweit-EMS nachgedacht werden, so dass vom angebotenen umfassenden Service für den gesamten Produktlebenszyklus alle profitieren können. Ein weiterer Faktor, der immer mehr Bedeutung gewinnt, ist, wie ein EMS-Unternehmen hinsichtlich der Nachhaltigkeit aufgestellt ist.

Weitere Informationen

  • Ausgabe: 7
  • Jahr: 2021
  • Autoren: Gustl Keller

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