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Dienstag, 16 Juni 2020 16:20

Die Leiterplattenindustrie in der Corona-Zeit

von Dr.-Ing. Hartmut Poschmann
Geschätzte Lesezeit: 12 - 24 Minuten
Abb. 1: AT&S entwickelt und produziert Miniatur-Boards für medizinische Kapseln Abb. 1: AT&S entwickelt und produziert Miniatur-Boards für medizinische Kapseln

Die Corona-Pandemie macht nicht nur Schwächen der Gesellschaft allgemein, sondern auch der Industrie sichtbar. Der Autor nahm zehn Leiterplattenhersteller ins Visier – unter der Fragestellung, wie sie die besonderen Bedingungen der Corona-Zeit mit der Fachöffentlichkeit kommunizieren. Dabei sind deutliche Unterschiede herausgekommen, was teilweise auch mit einer mangelhaften Nutzung des Internets für die Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat.

Um die Folgen der Corona-Pandemie für die Menschen einzudämmen, mussten Regierungen seit März dieses Jahres zahlreiche Maßnahmen beschließen, die für die Bevölkerung und damit auch für die Wirtschaft gravierende Folgen haben. Während des Höhepunktes des Lockdowns im April und Mai begann sich in Deutschland eine Unmutsbewegung gegen die einschränkenden Maßnahmen der Regierung zu entwickeln. Sie warf der Regierung vor, dass der Lockdown für Deutschland zu hart gewesen und die Notwendigkeit der Maßnahmen mit der Bevölkerung zu wenig kommuniziert worden sei.

Firmenkommunikation – das A und O

Unternehmen haben genauso wie der Staat an der neuen Pandemie-Situation schwer zu tragen. Sie mussten auf ihrer Verantwortungsebene ebenfalls bestimmte Maßnahmen zum Schutz der Belegschaft festlegen, welche sich wiederum auf die Funktion der Firma und damit auch auf die Kundenbeziehungen auswirken. Hinzu kamen Veränderungen in den Lieferketten, in welche die Firmen eingebettet sind.

 Tab. 1: Europäische Firmen in der NTI-Top-100-Welt-Liste 2017* und 2018 [1]

Firma Land NTI-100-Rang Umsatz (Mio. USD) Wachstum % Mitarbeiterzahl (etwa)
2017 2018 2017 2018
AT&S Österreich 10 11 1175 1218 3,6 10000
Somacis Italien 75 77 181 187 3,3  
KSG Deutschland 83 81 154 182 5,2 900
Würth Elektronik Deutschland 85 92 158 166 5,1 1000
Schweizer Deutschland 100 97 138 148 7,2 800

 

Folglich kann auch hier nachgefragt werden, wie das Firmenmanagement die neue Situation samt der für das Unternehmen getroffenen Maßnahmen nicht nur mit der eigenen Belegschaft, sondern auch mit der Fachöffentlichkeit und insbesondere mit den Kunden kommuniziert.

Wie weit wurde das Prinzip der Transparenz zwischen Unternehmen und Öffentlichkeit bzw. Unternehmen und Kunden angewendet, zum Beispiel durch Mitteilungen auf den eigenen Internetseiten bzw. durch regelmäßige Pressemitteilungen zur Situation der Firma? Ist dem Kunden ein ausreichend informatives Bild zur Sachlage vermittelt worden, so dass er zu seinem Geschäftspartner weiterhin Vertrauen haben kann? Immerhin sind viele Firmenleitungen der Meinung, dass es so abrupte Veränderungen in den Arbeitsbedingungen der Unternehmen wie jetzt zumindest in den letzten 50 Jahren nicht gegeben hat, was dann auch zu entsprechenden Überlegungen in der Firmenkommunikation führen müsste.Abb. 1: AT&S entwickelt und produziert Miniatur-Boards für medizinische KapselnAbb. 1: AT&S entwickelt und produziert Miniatur-Boards für medizinische Kapseln

Nachfolgend wird der Frage nachgegangen, wie 10 Firmen recht unterschiedlicher Größe und Betriebsform aus dem Leiterplattensektor die besonderen Bedingungen der Covid-19-Pandemie nach außen kommuniziert haben. Um dazu einen ersten Eindruck zu bekommen, schaute sich der Autor die Internetseiten der betreffenden Firmen bzw. deren Pressemitteilungen bezüglich aktueller Informationen über die betriebliche Corona-Situation an. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist, dass die Internetseiten der Firmen heute deren wichtigstes ,Schaufenster‘ für Fachinteressenten allgemein und für potenzielle als auch reale Kunden im Besonderen sind und folglich entsprechend gepflegt sein müssten. Die so gewonnenen Eindrücke können allerdings nur ein (wenn auch wichtiges) Teilbild der Informationspolitik der Firmen abbilden, denn mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Kunden auch über interne E-Mailings informiert, die aber der Öffentlichkeit und damit auch dem Autor nicht zugänglich sind.

Die großen ,Spieler‘ im Leiterplattensektor

Vorweg sei noch einmal gesagt, dass es in diesem Beitrag nicht um Tiefenanalysen zu den jeweiligen Firmen geht, sondern um erste Eindrücke zu deren Vorgehen. Für eine Tiefenanalyse müsste der Recherche- bzw. Analyseaufwand erheblich größer angelegt werden.

Nachfolgend stehen zuerst vier ,Platzhirsche‘ der europäischen PCB-Industrie im Visier: AT&S, KSG, Würth Elektronik, Schweizer. Anschließend werden zum Vergleich noch sechs kleinere Leiterplattenhersteller kurz unter die Lupe genommen.

Die Position der genannten großen Player in der weltweiten Board-Fertigung ist Tabelle 1 zu entnehmen, ein Auszug aus der NTI-Top-100-Liste von Dr. Nakahara für 2018 [1]. Die aufgeführten Firmen sind damit gleichzeitig die Top-5 der europäischen Leiterplattenhersteller.

Um sich leichter ein Urteil über die Qualität der Informationstätigkeit der hier berücksichtigten Leiterplattenhersteller bilden zu können, werden jeweils einige wichtige Kerndaten vorangestellt, die das Unternehmen charakterisieren. Es ist ja davon auszugehen, dass diese nicht jedem Leser geläufig sind.

AT&S

Der volle Firmenname des größten PCB-Produzenten Europas lautet AT&S Austria Technologie & Systemtechnik Aktiengesellschaft. Er fertigt in vier Ländern in sechs Werken (Österreich-Leoben, Fehring; Indien-Nanjangud; China-Shanghai, Chongqing; Korea-Ansan) vor allem hochwertige HDI-Leiterplatten und IC-Substrate. Insgesamt arbeiten um 10 000 Personen für AT&S. Allein in China sind es etwa 7000 Mitarbeiter.

Die Kunden des Konzerns konzentrieren sich stark in den Bereichen Kommunikationstechnik, Automotive, Industrie- und Medizinelektronik, Advanced Packaging (Embedded Component Packaging) (Abb. 1). Die neue NADCAP-Akkreditierung von Januar 2020 erlaubt dem Unternehmen zukünftig auch die Leiterplattenfertigung für Luft- und Raumfahrt und schafft somit ein weiteres Standbein.

Wie die Firmierung als Aktiengesellschaft schon vermuten lässt, praktiziert das Unternehmen auf seinen Internetseiten besonders in der Zeit der Corona-Pandemie gegenüber seinen Aktionären als auch Kunden eine aktive und regelmäßige Informationsarbeit. Allein im Februar und März befassten sich von den sieben Pressemitteilungen vier ausführlich mit der Corona-Situation in China und Österreich. Diese wurden auch auf den Internetseiten publiziert.

In der Nachricht vom 3. Februar informierte die Firmenleitung darüber, dass die Pandemie die Produktion von AT&S in China seit Dezember 2019 so beeinflusst, dass die Umsätze im vierten Quartal 2019 hinter den Erwartungen liegen und daher die bestehende Umsatz- und Ergebnisprognose von AT&S für das ablaufende Geschäftsjahr 2019/20 nach unten korrigiert werden muss. Immerhin erzeugt die Produktion in China einen Großteil des Konzernumsatzes, denn dort ist der größte Teil der Mitarbeiter des Konzerns konzentriert, wobei ja eine erneute Erweiterung bereits geplant ist.

In der Nachricht vom 4. Februar teilte AT&S mit, dass der Ausblick für das Geschäftsjahr 2019/20 aufgrund des Coronavirus negativ angepasst werden muss. AT&S hält jedoch in Zusammenarbeit mit einem führenden Halbleiterhersteller daran fest, die Produktionskapazitäten für IC-Substrate an den Standorten Chongqing und Leoben auszubauen. Das Investitionsvolumen beträgt in den kommenden fünf Jahren bis zu 1 Mrd. Euro.

Am 14. Februar wurde informiert, dass im Prinzip alle drei PCB-Fabriken von AT&S in China wieder in Betrieb sind, wenngleich auch mit verschiedenen Einschränkungen. Werk I in Chongqing konnte trotz Pandemie teilweise weiterarbeiten.thumb PL6 20 807 ATS ZukunftAbb. 2: Leiterplatten für 5G sind ein wichtiger Firmenschwerpunkt bei AT&S

Am 16. März verbreitete das Konzernmanagement die Mitteilung, dass an seinen Standorten in Österreich präventiv, also noch vor Inkrafttreten der Auflagen der österreichischen Bundesregierung, strikte Maßnahmen bezüglich des Coronavirus eingeführt wurden. Sie orientieren sich an denen, die sich in den chinesischen AT&S-Werken über die vergangenen zweieinhalb Monate bereits bewährt hatten. Dazu zählen Home Office und absolute Maskenpflicht im Unternehmen auf Basis hochwertiger Masken mit Ventilen. Dadurch wurden dort bisher keine Covid-19-Infektionen diagnostiziert und AT&S durfte als eines der ersten Unternehmen in China die Produktion wieder aufnehmen. Ziel sei es, den Betrieb ununterbrochen aufrechtzuerhalten und damit die Lieferverpflichtungen vollständig und termingerecht zu erfüllen. Mitte März waren alle Standorte des Unternehmens in Europa und Asien zu 100 % verfügbar. Es kam bis dahin zu keinen Einschränkungen bei der Auftragsabwicklung. Gleiches wurde zur Versorgung mit den benötigten Produktionsmaterialien gesagt. Mitte März waren alle drei Werke in Shanghai und Chongqing in Vollbetrieb.

Am 26. März nahm die Konzernleitung Stellung zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf das Geschäftsjahr 2020/21und stellte fest, dass sie gegenwärtig nicht quantifizierbar sind. Angesichts der weltweiten Auswirkungen auf die globalen Logistik- und Produktionsketten sei davon auszugehen, dass es in einigen Kundensegmenten von AT&S auch zu einer reduzierten Nachfragesituation kommen wird. Bis auf Weiteres werden die Situation und die Rahmenbedingungen kurzzyklisch evaluiert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet (Abb. 2). Von Kurzarbeit in Österreich war bis Ende Mai offiziell nicht die Rede.

Ein Beispiel für das Ergreifen kurzfristiger Maßnahmen zur Produktionsstabilisierung ist, dass AT&S seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie zahlreiche neue Kooperationen mit Herstellern von Beatmungsgeräten eingegangen ist – etwa in den USA und Indien. Der Standort in Indien wurde von der indischen Regierung als Hersteller essenzieller Güter für den indischen Staat definiert, weil das Unternehmen kurzfristig die Produktion auf die Herstellung von Leiterplatten für lebensrettende Beatmungsgeräte umgestellt hat.

Als Ergebnis der angespannten Situation wegen des Corona-Virus teilte der Konzernvorstand am 12. Mai mit, dass vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrates beschlossen wurde, der 26. ordentlichen Hauptversammlung am 9. Juli 2020 eine Dividende in Höhe von 0,25 € je Aktie für das Geschäftsjahr 2019/20 vorzuschlagen (Dividende für 2018/19: 0,60 € je Aktie). AT&S verfolge eine transparente Dividendenpolitik, die sich an den Investitionszyklen und dem Konzernergebnis orientiere. Dieser Vorschlag zur deutlich geringeren Gewinnausschüttung als im Vorjahr reflektiert die bevorstehenden Investitionen in zusätzliche Kapazitäten und neue Technologien sowie die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Ergebnisentwicklung.

Laut Vorstandsbericht vom 14. Mai lag der Konzernumsatz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019/20 trotz herausfordernder Rahmenbedingungen erneut über der Eine-Milliarde-Euro-Grenze, gab aber gegenüber dem Vorjahr leicht um 2,7 % auf 1000,6 Mio. € nach (Vorjahr: 1 028,0 Mio. €). Strategisch sei AT&S auf einem aussichtsreichen Kurs.thumb PL6 20 808 KSG Mimo RadarAbb. 3: Entwicklung des MIMO-Radarsystems 79 GHz

Im Sinne der Ausgabendisziplin wird für Basisinvestitionen (Instandhaltung und Technologie-Upgrades) in Abhängigkeit von der Marktentwicklung ein reduziertes Budget von bis zu 80 Mio. € veranschlagt. Im Rahmen der strategischen Projekte plant das Management – je nach Projektfortschritt – für das Geschäftsjahr 2020/21 Investitionen in Höhe von bis zu 410 Mio. €.

KSG

Der Leiterplattenhersteller, ursprünglich aus dem ostdeutschen Betrieb Kontakt- und Spezialbauelemente Gornsdorf hervorgegangen, arbeitete seit 1990 als KSG Leiterplatten GmbH. Am 1.11.2018 firmierte sich das Unternehmen in KSG GmbH um, und der österreichische PCB-Produzent Häusermann GmbH wurde als KSG Austria Bestandteil der KSG GmbH.

Der Board-Produzent nahm 2018 Platz 3 in der europäischen Rangliste der Leiterplattenhersteller ein. Er fertigt auf einer kumulativen Produktionsfläche von 45 000m2 in Gornsdorf und Kamp mehr als 350 000m2 hochwertiger Leiterplatten pro Jahr für etwa 1000 Kunden. Insgesamt beschäftigt die KSG GmbH um 900 Mitarbeiter. Die Firma produziert ausschließlich in Europa vom Muster bis zur Großserie und versteht sich als Technologieführer und Vorreiter bei HF-Lösungen sowie im Hochstrom- und Wärmemanagement. Ziel sind kurze Durchlaufzeiten auch bei Trägern für komplexe Anwendungen.

Im Rahmen eigener Forschungsarbeit entwickelt man mit Partnern beispielsweise eine Embedding Technologie für den KI-Radar-Sensor mit systemintegrierter Planarantenne bzw. autonomer SMD-montierbarer 3D-Antenne (Abb. 3). Eine große Herausforderung ist auch das Projekt INDUGIE. Dort geht es um die Entwicklung einer Leiterplattentechnologie zur Integration von hochperformanten Spulen durch Integration von HF-Litzen in Kavitäten in einem 20-lagigen hybriden FR4-HF-Multilayeraufbau mit Leiterbildstrukturen <50µm Line/Space.

Nach der Übernahme von Häusermann im Jahr 2017 musste sich KSG noch bis 2019 hinein mit der Restrukturierung der neu entstandenen Firmengruppe befassen, so dass das Coronavirus der Firma anschließend noch unerwartete zusätzliche Probleme bereitete. Ein Merkmal der Restrukturierung ist jetzt die recht frische und forsche Internetseite des Unternehmens. Im Gegensatz zu den Internetseiten einiger andere deutscher PCB-Hersteller legt KSG Wert auf hohe Transparenz gegenüber der Fachöffentlichkeit und präsentiert offen und gut sichtbar die aktuellen Eckkennwerte der Firmengruppe als auch seine Firmenziele.

KSG informierte erstmals am 18. März die Fachöffentlichkeit in einer Pressemeldung, die auch auf seinen Internetseiten zu finden war, über die Auswirkungen des Coronavirus auf die Firma. Ausführlich wurde über die eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter, veränderte organisatorische Abläufe als auch die aktuelle Liefersituation berichtet.

Für die Kunden waren zum Beispiel diese Informationen wichtig:

  • Wegen der festgelegten Maßnahmen geht man künftig von Kapazitätseinbußen aus
  • Die notwendige Verkürzung der Fertigungsschichten kann punktuell zu Lieferverzögerungen führen
  • Die Auswirkungen sollen so gering wie möglich gehalten werden
  • Die Versorgung der Werke mit Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen ist aus Sicht des März für die nächste Zeit gesichert, weil man schon längere Zeit die Lieferkette beobachtet habe
  • Es ist davon auszugehen, dass sich die Lieferzeiten für gewisse Vormaterialien (z. B. Basismaterial) oder Produktionsmittel für die Fertigung verlängern werden

Das Management bat um Unterstützung in dieser schwierigen Situation und darum, über Änderungen der Geschäftstätigkeiten umgehend zu informieren, z. B. signifikante Bedarfsveränderungen, Änderungen der Warenannahmezeiten oder drohende Schließung von Fertigungsstandorten.

Am 1. April gab das Unternehmen fast wortgleich wie einige Tage vorher schon Würth bekannt, dass KSG an beiden Standorten operativ mit der Produktion von Leiterplatten für Beatmungsgeräte, medizinischen Überwachungssystemen und intensivmedizinischen elektronischen Ausstattungen begonnen habe. Das Unternehmen sei in der Lage, Aufträge kurzfristig anzunehmen, einzusteuern, reibungslos zu produzieren und zuverlässig zu liefern.

Letzteres deutet auf freie Fertigungskapazitäten hin, was durch Presseberichte aus Österreich bestätigt wird. Am 20. April wurde in der österreichischen Zeitung NÖN berichtet, dass zu der Zeit bereits nach einem Kurzarbeitszeitmodell bei KSG Austria gearbeitet wurde. Eine solche Mitteilung ist auf der Firmen-Internetseite aber nicht zu finden.

Unabhängig davon suchte das Werk Mitte Mai im Jobportal Jobwald nach Produktionsmitarbeitern im Dreischichtbetrieb für die Leiterplattenherstellung. Auch KSG Gornsdorf war im Mai in Jobportalen auf der Suche nach Softwareentwicklern zum weiteren Ausbau der IT-Infrastruktur des Werkes.

Dass KSG zielstrebig und trotz der Corona-Krise an der Festigung seines Produktionsfundaments arbeitet, belegt die Pressemitteilung vom 19. Mai. Das Qualitätsmanagementsystem des Unternehmens wurde nach der Automotiv-Norm IATF 16949 erfolgreich rezertifiziert. Trotzdem kann man einschätzen, dass über den Einfluss von Covid-19 auf die Firma nur das Notwendigste veröffentlicht wurde.

Würth Elektronik Circuit Board Technology

Wenn man allgemein von Würth und Leiterplatten spricht, muss man genauer hinschauen, denn die weltweit tätige Würth Group hat ein riesiges Produktportfolio in unterschiedlichen Produktbereichen der Wirtschaft. Elektronikkomponenten werden innerhalb der Würth Elektronik Gruppe produziert. Sie ist ein rechtlich selbstständiger Unternehmensverbund innerhalb der global aufgestellten und familiengeführten Würth Group. Leiterplatten kommen aus dem Produkt- und Geschäftsbereich Würth Elektronik Circuit Board Technology (CBT) der Würth Elektronik Gruppe.

Gemäß Tabelle 1 rangierte Würth Elektronik (CBT) im Jahr 2018 mit einem Gesamtumsatz von 166 Mio. $ auf Platz 92 der Welt-Top-100-Liste und wies gegenüber 2017 ein Wachstum von 5,1 % auf. Im europäischen Top-Ranking nahm die Firma nach AT&S, Somacis und KSG den vierten Platz ein, noch vor Schweizer Electronic.Abb. 4: Kriterien von Würth für die PCB-Produktion in Deutschland bzw. Asien Abb. 4: Kriterien von Würth für die PCB-Produktion in Deutschland bzw. Asien

Das Spektrum der über 4500 Kunden reicht vom Großkonzern bis hin zum Ein-Mann-Entwicklungsbüro. Demgemäß bietet man den Kunden Leiterplatten vom Prototyp bzw. Muster bis hin zur Großserie an. Der weitaus größte Teil der etwa 1000 Mitarbeiter ist in den drei deutschen Produktionswerken tätig: Rot am See, Niedernhall und Schopfheim. In der PCB-Produktion stützt sich Würth aber auch auf Fertigungspartner in China.

Das Unternehmen versichert den Kunden, dass Boards, die online bei WEdirekt bestellt werden, ausschließlich aus Deutschland stammen. Der Großteil davon wird in Rot am See produziert. Dabei steht WEdirekt für den Leiterplatten-Online-Shop der Würth Elektronik GmbH & Co. KG mit Standort in Rot am See. Abbildung 4 kann man Hinweise entnehmen, nach welchen ungefähren Kriterien über die Abwicklung von Board-Bestellungen entschieden wird: Deutschland oder Asien.

  • Geht man davon aus, dass das Unternehmen in Europa einen riesigen Kundenstamm hat
  • in der europäischen PCB-Branche einen der vorderen Ränge belegt
  • die Boards sowohl in Deutschland als auch in Asien fertigen lässt

könnte man vermuten, dass das Management wegen der besonderen Situation der Corona-Pandemie diesbezügliche Öffentlichkeitsarbeit auf seinen Internetseiten entsprechend verstärkt hat. Ein Blick auf die Pressearbeit im Zeitabschnitt Januar-Mai 2020 belegt jedoch, dass das nicht der Fall war. Man gab erst im März zwei Informationen zum Einfluss der Pandemie heraus, danach nicht mehr.

In einer News-Mitteilung vom 20. März unterrichtete das Firmenmanagement über die aktuellen Auswirkungen des Coronavirus auf Würth Elektronik CBT und die getroffenen Schutzmaßnahmen, darunter auf die PCB-Lieferungen aus Asien. Darin heißt es u. a.:

  • Der Großteil der Werke der asiatischen Partner hat mittlerweile wieder 80 % bis 100 % der Produktionskapazitäten
  • Die Produktionen an den drei deutschen Standorten laufen mit einer Kapazität von 100 %
  • Die Liefersituation aus Asien hat sich trotz gewisser Logistikengpässe stabilisiert und es wird wieder regelmäßig Ware angeliefert
  • Durch Aufstockung der Lagerbestände ist aus gegenwärtiger Sicht die Versorgung der deutschen Werke mit Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen in der nächsten Zeit gesichert
  • Die Produktionsstandorte haben die nötigen Ressourcen und Materialien, um Aufträge für systemrelevante Produkte anzunehmen und mit höchster Sorgfalt herzustellen
  • Aufgrund erhöhter Auftragseingänge der letzten Wochen kommt es zu gestiegenen Lieferzeiten

In der News vom 26. März informiert Würth Elektronik CBT darüber, dass man kurzfristig die Produktion von Leiterplatten für die Herstellung von Intensivbeatmungsgeräten und mobilen Beatmungsgeräten übernommen habe (Abb. 5). Man sei in der Lage, Aufträge kurzfristig anzunehmen, einzusteuern, reibungslos zu produzieren und zuverlässig zu liefern. In allen drei deutschen Werken des Unternehmens werde im Dreischichtbetrieb gearbeitet. Die Produktionsstandorte haben die nötigen Ressourcen und Materialien, um Aufträge für systemrelevante Produkte anzunehmen und mit höchster Sorgfalt herzustellen.Abb. 5: Symbolbild Leiterplatten für Beatmungsgeräte Abb. 5: Symbolbild Leiterplatten für Beatmungsgeräte

Daraus könnte man schlussfolgern, dass Würth Elektronik CBT selbst im 1. Quartal 2020 gut bis sehr gut ausgelastet war und auch für das 2. Quartal eine zufriedenstellende Auftragslage vorhanden ist. Weil das Unternehmen aber keine entsprechenden Zahlen zur Geschäftssituation veröffentlicht, kann diesbezüglich nur spekuliert werden. Kurzarbeit war augenscheinlich bisher kein Thema.

Schweizer Electronic

Geht man von den Ursprüngen des Unternehmens aus, kann die Schweizer Electronic AG auf eine fast 170 Jahre alte Historie zurückblicken. Das Unternehmen bietet im traditionellen Geschäftsfeld Electronic zusammen mit den Partnern Elekonta Marek GmbH & Co. KG, Meiko Electronics Co., Ltd. und WUS Printed Circuit Co., Ltd. kosten- und fertigungsoptimierte Lösungen für Klein-, Mittel- und Großserien an. Insbesondere für hochvolumige Liefermengen ist Schweizer eine Partnerschaft mit dem japanischen PCB-Produzenten Meiko eingegangen, der vor allem im asiatischen Ausland fertigt. Einer der bisherigen Hauptabnehmer der Leiterplatten ist die Automobilindustrie.

Der familiengeführte, aber börsennotierte Hersteller beschäftigte Ende 2019 etwa 800 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug 120,7 Mio. €, also 3,7 % weniger als 2018. Im Geschäftsjahr 2017 lag der Umsatz ebenfalls bei 120,9 Mio. €. Laut Tabelle 1 nahm Schweizer in der NTI-100-Rangliste 2018 die Position 97 der weltweit größten PCB-Produzenten ein. Deutschland hat 2019 zwar mit 53 % den Hauptteil am Konzernumsatz, doch sank dieser im Vergleich zum Vorjahr deutlich – wie auch der Anteil Europas. In Asien und den USA sind hingegen Zuwächse zu verzeichnen.

Da die Umsatzentwicklung seit 2017 in-etwa stagniert, hat sich der Konzern ein klares strategisches Signal für Wachstum gesetzt, baut das neue Geschäftsfeld Systems auf und errichtet dazu seit August 2018 ein neues High-Tech Leiterplatten Embedding-Werk in Jintan (China). Trotz der zeitweilig durch das Coronavirus erschwerten Bedingungen soll die neue Produktionsstätte 2020 in Betrieb gehen. Die Infineon Technologies AG, neben WUS Kunshan auch Anteilseigner an der Schweizer Electronic AG mit knapp 10 %, zeigt größtes Interesse, die gemeinsame Chip-Embedding Technologie auf dem Weltmarkt zu etablieren.

Bei der Durchsicht der Internetseite von Schweizer zum Thema Corona fiel dem Autor auf, dass Informationen der Geschäftsleitung zur Situation im Unternehmen, zu getroffenen Vorsorgemaßnahmen für die Belegschaft und zu Veränderungen bzw. Anpassung der Betriebsabläufe völlig fehlen. Es gibt weder auf der Internet-Hauptseite noch im Pressebereich dazu ausführliche Darlegungen, auf die Kunden und Öffentlichkeit zurückgreifen könnten. Damit unterscheidet sich Schweizer deutlich von den bisher betrachteten Leiterplattenproduzenten AT&S, KSG und Würth. Man könnte sagen, dass Schweizer im Vergleich zu den vorn genannten PCB-Produzenten den Einfluss von Covid-19 auf das Unternehmen ,unter den Tisch fallen‘ lässt. Ergänzt werden muss, dass einige Internetseiten des Unternehmens datenseitig durchaus überarbeitet werden müssten.

Lediglich der Pressemitteilung vom 2. April kann man dann entnehmen, dass es den Coronavirus dort gibt. Man teilte mit, dass das Unternehmen dem Landkreis Rottweil 2000 FFP2 Schutzmasken spendet und Mitarbeiter der Firma, die ehrenamtlich bei DRK, THW und Feuerwehr mitwirken, für die Unterstützung im Kampf gegen Covid-19 freigestellt werden.

In einer News vom 21. April zur Vorbereitung der virtuellen Hauptversammlung am 26. Juni wird zwangsläufig auf den Einfluss von Covid-19 auf die Firma eingegangen. Es heißt dort u. a.:

  • Während wir das Geschäft über unsere asiatischen Partner WUS und Meiko mit einem Plus von 52,9 % ausbauen konnten, entwickelten sich die Umsätze aus unserem Stammwerk in Schramberg mit -17,5 % nicht zufriedenstellend. Dieser Rückgang war geprägt von der seit Beginn 2019 rückläufigen Konjunkturentwicklung, welche sich in einer entsprechenden Zurückhaltung in den Aufträgen sowohl der Automobil- als auch Industriekunden auswirkte
  • Der Exportanteil erhöhte sich von 43,7 % auf 47,1 %, wobei Deutschland mit einem Absatzanteil von 53 Prozent und Europa (ohne Deutschland) mit 26 % weiterhin die wichtigsten Absatzmärkte sind
  • Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen eine zuverlässige Prognose für das Geschäftsjahr 2020 sehr schwierig
  • Schweizer beabsichtigt, Hilfsangebote im Rahmen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds in Anspruch zu nehmen und bedarfsgerecht das Mittel der Kurzarbeit zur Sicherung der Arbeitsplätze einzusetzen

Covid-19 und die ,Kleinen‘

Hier soll anhand von sechs Beispielen gezeigt werden, wie unterschiedlich auch bei mittelständischen Leiterplattenproduzenten an das Thema ,Informationsstrategie in der Corona-Zeit‘ herangegangen wird.

Straschu Elektronikgruppe

Die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Stuhr umfasst neun Gesellschaften an acht Standorten. Hauptfirmen sind: Straschu Industrieelektronik GmbH in Stuhr bei Bremen, Straschu Leiterplatten GmbH in Oldenburg, Rostock Leiterplatten GmbH in Rostock. Mit rund 400 Mitarbeitern erwirtschaftet die Gruppe einen jährlichen Umsatz von 66 Mio. €. Neben der Fertigung von Leiterplatten und elektronischen Baugruppen vertreibt die Handelsgruppe auch elektrotechnische Komponenten. Boards werden nur in Oldenburg gefertigt.

In einer News vom 20. März informierte das Management auf der Internetseite der Firmengruppe kurz über die im Zusammenhang mit Copvid-19 im Unternehmen getroffenen Maßnahmen. Es wurde mitgeteilt, dass man weiterhin ausliefere. Die Lage werde mit großer Sorgfalt fortlaufend neu bewertet, um frühzeitig Maßnahmen umzusetzen und zu informieren. Bis Ende Mai gab es keine weiteren Mitteilungen zur Corona-Situation.

ILFA

Die ausführliche Firmenbezeichnung der in Hannover ansässigen Firma lautet ILFA Industrieelektronik und Leiterplattenfertigung aller Art GmbH. Das Inhaber- und Gründer-geführte Unternehmen entwickelt und produziert seit über 40 Jahren mit momentan etwa 185 Mitarbeitern Leiterplatten im High-Tech-Segment. Gleich auf der Internet-Hauptseite der Firma wird der Besucher mit einem Banner-Bild zu Corona auf die besondere Situation hingewiesen (Abb. 6). Über einen direkten Link gelangt der Besucher zu einer Informationsseite, wo er das Wesentliche zu den von Ilfa bezüglich Corona getroffenen Maßnahmen und zur damaligen Situation erfährt. Die Mitteilung stammt vom 23. März. Die Hauptaussage lautet: „Unser interner Betrieb sowie unsere Produktion laufen ohne Einschränkungen weiter.“ Außerdem: „Die Materiallager sind ausreichend bevorratet. Sollte es dennoch zu Lieferengpässen kommen, könne man über Kooperationspartner auf weiteres Material zurückgreifen.“ Neuere Corona-bedingte Informationen gibt es seit März nicht.

Unter ,Aktuelles‘ berichtete das Management am 30. April aber, dass die Techniker von ILFA zusammen mit Partnern im Rahmen des Förderprojektes EPho Hochgeschwindigkeitsleiterplatten entwickeln, in denen optoelektronische Komponenten eingebettet werden [2] (Abb. 7).

Contag AG

Das in Berlin beheimatete, mehrfach preisgekrönte Unternehmen mit etwa 80 Mitarbeitern sieht sich als der wohl schnellste Hersteller von High-Tech-Leiterplatten in Europa, was in der Preiskategorie ,Superblitz‘ mit vier Stunden in bestimmten Fällen stimmen mag. Die ehemalige Contag GmbH wurde 2012 in die Contag AG umgewandelt, obwohl Kapitalmarkt und Aktienhandel nach Aussage des Firmengründers bei der Umfirmierung keine Rolle spielten (Abb. 8). Demgemäß sieht Contag wahrscheinlich auch keine Notwendigkeit, irgendwelche Aktionäre bzw. Internetbesucher über die Covid-19-Situation in der Firma informieren zu müssen.Abb. 6: Ilfa weist auf seiner Internet-Hauptseite auf die Corona-Situation hinAbb. 6: Ilfa weist auf seiner Internet-Hauptseite auf die Corona-Situation hin

Die Herausgabe von Pressemitteilungen ist bei Contag seit 2018 zum Erliegen gekommen, die Herausgabe des Newsletters seit Mai 2019, die Publikation ,echter‘ News seit Juni 2019. Folgerichtig sind auf den Internetseiten der Firma auch keine Informationen zum Coronavirus zu finden. In einer ,News‘ vom 20. April teilt die Geschäftsführung lediglich bezugslos mit, dass die PCB-Produktion auf Hochtouren laufe: Das Materiallager sei gut gefüllt, auch mit vielen Sondermaterialien für Hochfrequenz-, Hochstrom- und High-Tech-Anwendungen. Dagegen war es im Januar 2019 noch eine News wert, das am 16. Januar der Blutspendebus des DRK auf dem Firmengelände stehen wird.thumb PL6 20 813 Ilfa optoAbb. 7: Das Projekt EPho ermöglicht die optische und elektronische Datenübertragung auf einem gläsernen Baugruppenträger

Andus Electronic

Andus ist ein mittelständisches Berliner Familienunternehmen, welches 2019 sein 50-jähriges Firmenjubiläum seit seiner Gründung durch Lutz Treutler beging. Letzterer ist ja auch als ,Vater‘ des FED bekannt. Die Firma fertigt gern Prototypen und Kleinserien anspruchsvoller Boards mit neuartigen Lösungen. Eine der eigenen Innovationen ist beispielsweise das LED-Substrat ZeroGap.

Doch die öffentliche Informationsarbeit ist bei Andus augenscheinlich zum Erliegen gekommen. Das Management stellte seit Januar 2019 keine Firmennachrichten (News) mehr auf seine Internetseiten. Demgemäß ist für Besucher der Internetseiten auch nicht zu erkennen, wie die Corona-Situation auf den PCB-Produzenten wirkt und welche Maßnahmen man dort ergriffen hat. Faktisch ist eine ,Blackbox-Situation‘ entstanden. Damit werden Besuchern der Internetseiten keine guten Eindrücke vermittelt und die Chancen des Internets mehr oder weniger verschenkt.

EES – European Electronics Systems

Zu dieser Firmengruppe gehören zwei Werke: Schoeller Electronics Systems GmbH in Wetter und die Hans Brockstedt GmbH in Kiel. Von der Kundenseite her ist EES breit aufgestellt: Industrieelektronik, Medizintechnik, Aerospace, Defence, Automotive. Seit Februar 2019 gab es keine Pressemitteilungen mehr auf den Internetseiten. Außerdem sind dort auch keine Hinweise zur Corona-Situation bei EES zu finden.

Trotzdem machte Schoeller im Frühjahr wegen eines besonderen Corona-Falls negative Schlagzeilen: Die GmbH befindet sich in einem vorläufigen Insolvenz-verfahren. Der Geschäftsbetrieb läuft, so die Mitteilung des Insolvenzverwalters, mit den etwa 200 Mitarbeitern ungeachtet des laufenden Verfahrens weiter. Hintergrund: Die Gesellschaft präsentiere sich aktuell führungslos. Der Geschäftsführer könne Großbritannien corona-bedingt nicht verlassen und sei nicht erreichbar.

Aspocomp

Zum Abschluss soll noch etwas über den ,Tellerrand‘ nach Finnland geschaut werden. Der mittelständische Leiterplattenhersteller Aspocomp beging im Januar 2020 sein 40. Firmenjubiläum. Im Jahr 2019 belief sich der Nettoumsatz auf 31,2 Mio. € bei rund 150 Mitarbeitern und das Betriebsergebnis auf 3,4 Mio. €. Die Hauptkunden-Bereiche sind Automotive, Halbleiterindustrie, Telekommunikation, Industrie-, Sicherheits-, Militär- und Raumfahrtelektronik. Es wird in 46 Länder geliefert. Die Firma hat eine eigene Fertigung in Oulu (Finnland) und ein Partnernetzwerk in Europa als auch China.

Die Corona-Pandemie wirkte sich bei Aspocomp auf den Nettoumsatz des ersten Quartals aus und hat das Betriebsergebnis deutlich geschwächt: im ersten Quartal verzeichnete der Hersteller einen Nettoumsatz von 6,7 Mio. €, was einem Rückgang von 12 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum (7,6 Mio. € im gleichen Zeitraum des Vorjahres) entspricht. Verursacher sind vor allem die Segmente Automobil und Telekommunikation. Trotz der großen Corona-bedingten Unsicherheiten und wachsenden Risiken geht man jedoch davon aus, dass der Umsatz und das Betriebsergebnis im Jahr 2020 auf dem Niveau des Vorjahres liegen werden.

Bezüglich des Corona-Einflusses auf das eigene Werk als auch auf die Partnerfabriken in Europa und China verfolgte Aspocomp von Anfang an eine transparente Informationspolitik. Man gab von Januar bis April fünf Pressemitteilungen heraus und vermittelte so die jeweils vorhandene Situation. Am 16. März teilte die Firmenleitung mit, dass die Produktion in Oulu sowie bei den europäischen Partnern voll läuft und in China fast wieder hergestellt sei.

In der News vom 2. April wurde neben der Fertigungssituation auch über Transportprobleme wegen reduzierter Flugverbindungen berichtet, ebenso über dadurch bedingte Produktionsverlagerungen zu europäischen Herstellern. Das Beispiel Aspocomp zeigt, dass auch relativ kleine mittelständische Firmen es sich zur Aufgabe gemacht haben, durch der Situation angepasste regelmäßige Informationsarbeit positiv zur Kundenbindung beizutragen. Aspocomp nahm an einem von 2014 bis 2020 dauernden EU-Förderprojekt zur Weiterentwicklung seiner High-Tech-PCB für Testsysteme von hochkomplexen Halbleiterchips teil.

Schlussbemerkungen

Gegenwärtig wird gern davon geredet, dass die Digitalisierung der Gesellschaft durch Corona einen deutlichen Vorwärtsimpuls erhält. Die Pandemie werde die Entwicklung der Wirtschaft in Richtung Industrie 4.0 beschleunigen. Dabei sollte man aber bedenken, dass das Internet als auch die Internetauftritte der Unternehmen bereits seit über zwei Jahrzehnten wichtiger Basisteil dieses voranschreitenden Digitalisierungsprozesses sind. Trotzdem ist es nach den jüngsten Erfahrungen des Autors noch immer so, dass manche Firmen ihren Internetseiten als dem modernen aktuellen ,Aushängeschild‘ bzw. als der ,Repräsentationsplattform‘ nicht die nötige Aufmerksamkeit widmen. Sie nutzen die Möglichkeiten einer positiven Selbstdarstellung nur unzureichend. Es gibt oft eine Kluft zwischen der Darstellung der technischen Leistungsfähigkeit des Unternehmens und der Qualität der Informationstätigkeit in Richtung der Fachöffentlichkeit. Am Rande sei noch bemerkt, dass immer noch elementare optische bzw. physiologische Gestaltungsgrundsätze der Seiten wie Struktur, Farbe, Kontrast von Hintergrund und Schrift, Schriftgrößen u. a. nicht ausreichend beachtet werden. Die Qualität der fachlichen Arbeit der Firmen sollte immer mit ihren Internetauftritten übereinstimmen, um das eigene Firmenpotential optimal nutzen zu können.

Referenzen:

[1] PLUS, Heft 9/2019, S. 1354ff.
[2] www.elektronikforschung.de/projekte/epho

Weitere Informationen

  • Ausgabe: 1
  • Jahr: 2019

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