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Mittwoch, 22 Mai 2024 11:59

Zeitenwende: Autodesk Fusion 360 ersetzt Eagle

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Geschätzte Lesezeit: 8 - 16 Minuten
Abb. 1: Beispiel für ein Leiterplattendesign mit Eagle Abb. 1: Beispiel für ein Leiterplattendesign mit Eagle Bild: Autodesk

Obwohl der oft verwendete Begriff ‚Zeitenwende' schon etwas abgegriffen klingt, kann der laufende Prozess der Ablösung der PCB-EDA-Software Eagle durch Autodesk Fusion 360 als Zeitenwende angesehen werden. Ein Pionier des computergestützten Leiterplattendesigns muss einem zeitgemäßeren Softwarepaket weichen.

Abb. 2: CADSoft wählte den Adler als Logo für seine PCB-Design-SoftwareDie internationale Szene für PCB-Designsoftware ist momentan etwas in Bewegung gekommen. In Plus 3/2024 beispielsweise wurde das neue kostenlose CAD-Tool LibrePCB 1.0 vorgestellt. Es ist wahrscheinlich die jüngste EDA-Software für Leiterplatten auf dem internationalen Markt, denn die vollwertig nutzbaren Release 1.0 wurde von dem Schweizer Elektroingenieur Urban Bruhin erst im Jahr 2023 beworben.

Mitte 2023 ließ eine Mitteilung der US-amerikanischen Firma Autodesk aufhorchen, die weitere Veränderungen im Markt für PCB-EDA-Software erwarten lässt: das Leiterplatten-Designtool Eagle des Unternehmens wurde abgekündigt (Abb. 1, 2). Im Frühjahr 2024 präzisierte man die weitere Verfahrensweise zu Eagle. Autodesk wird schrittweise das Angebot des international breit genutzten PCB-Entwurfswerkzeugs einstellen bzw. Teile davon im Rahmen des eigenen Softwarepakets Autodesk Fusion 360 (darunter Autodesk Fusion Elektronik) weiterführen. Das Unternehmen wirbt für letzteres sehr anspruchsvoll mit diesen Worten: Autodesk Fusion ist nicht einfach nur CAD, sondern die Zukunft der Konstruktion und Fertigung.

Man kann diesem Motto die versteckte Botschaft entnehmen, dass Eagle aus Sicht des Anbieters nicht die Zukunft darstellt und deshalb abgekündigt wird. Es lohnt sich also für Autodesk nicht mehr, in die Weiterentwicklung von Eagle selbst zukünftig noch zu investieren und man konzentriert sich auf das eigene Produktportfolio.

Nähere Informationen zum Ablauf der Einstellung werden weiter unten gegeben [1]. Diese Verfahrensweise der Amerikaner war schon lange vorher zu erwarten, denn das im Jahr 1982 gegründete, in San Francisco ansässige Unternehmen Autodesk ist mit seinen weltweit 13.700 Mitarbeitern (Stand Januar 2023) faktisch ein Gigant im Designsektor und für alle möglichen Anwendungsrichtungen des Designs in recht unterschiedlichen Technikrichtungen breit aufgestellt (Abb. 3). Der Umsatz betrug 2023 um 5 Mrd. $. Im Angebot sind bei Autodesk 92 Arten von Software-Tools, die hauptsächlich vier Bereichen zuzuordnen sind:

  • Architektur, Ingenieur- und Bauwesen
  • Produktentwicklung und Fertigung
  • Media und Entertainment
  • Arbeitsabläufe

Autodesk Fusion 360 fällt im Portfolio des Unternehmens in den Bereich Produktentwicklung und Fertigung, wozu auch noch fünf weitere, extra zu bezahlende Fusions-Zusatztools kommen. Beispiele: Fusion Signal Integrity Extension, Fusion 360 for Product Design, Fusion 360 for Manufacturing, Fusion Design Extension.

Um den Beschluss des Anbieters zur Einstellung von Eagle zu verstehen, ist anzumerken, dass das erstmals im Jahr 1988 von der deutschen Firma CADSoft Computer herausgebrachte Eagle-Tool in weiterentwickelter Form bis heute von Autodesk im Angebot ist, parallel zum im Jahr 2013 von Autodesk selbst kreierten EDA-Softwarepaket Autodesk Fusion. Bisherige Nutzungsvarianten legten aber seit 2020 fest, dass Eagle ausschließlich im Paket mit einem Abonnement von Autodesk Fusion erhältlich war. Man kann das auch so deuten, dass man die vielen Nutzer bzw. potenziellen Interessenten (darunter auch die deutschen) über den ‚Umweg' Eagle zwingend an die eigenen CAD-Produkte heranführen und prophylaktisch auch binden wollte. So sehen eben US-amerikanische Methoden der Markterschließung aus. Die Entscheidung wurde getroffen, um die Integration von Eagle in andere Autodesk-Produkte zu erleichtern und den Nutzern – so die Aussage von Autodesk selber - ein nahtloses und verbessertes Designerlebnis zu bieten. Mit anderen Worten: Autodesk hat von der langen Weiterführung von Eagle wahrscheinlich inhaltlich viel gelernt sowie profitiert und nun die Endphase für das ‚Fremdprodukt' Eagle eingeleitet. In diesem Lernprozess ist sicherlich auch die große User-Community von Eagle über die Jahre nützlich gewesen.

Abb. 3: Firmenhauptsitz von Autodesk in San FranciscoAbb. 3: Firmenhauptsitz von Autodesk in San Francisco

Eine Ära geht zu Ende

Im Jahr 1988 erstmals auf den Markt gekommen, zählt Eagle heute wohl zu den ältesten, noch in Anwendung befindlichen Entwurfswerkzeugen für Leiterplatten auf dem Markt und damit zu den Pionieren dieser Branche. In Deutschland als dem Ursprungsland des Produktes fand das Tool sehr breite Anwendung. Das soll Grund genug sein, noch einmal kurz den Werdegang der Software zu skizzieren. Wikipedia schreibt dazu folgendes [2]:

Eagle ist ein leistungsstarkes EDA-Programm der Firma CADSoft Computer zur Erstellung von Leiterplatten. Der Name ist ein Initialwort, gebildet aus ‚Einfach Anzuwendender Grafischer Layout-Editor' (engl.: Easily Applicable Graphical Layout Editor). Eagle und das Unternehmen CADSoft wurden im September 2009 an die britische Firma Premier Farnell verkauft, ein Distributor elektronischer Bauteile. Im Juni 2016 dann erwarb die Firma Autodesk die Rechte auf das Tool. Mittlerweile wird dieses nicht mehr weiterentwickelt und nun, wie Mitte 2023 erstmals verkündet, von Autodesk ‚abgewickelt'. So viel zur firmenseitigen Geschichte.

Aus technischer Sicht lässt sich unter anderem Folgendes ergänzen:

  • 1988: Die erste Version von Eagle war eine 16-Bit-PCB-Designanwendung für DOS. Anfangs bestand die Software nur aus einem Layout-Editor mit Teilebibliotheken. Später fügte man u. a. ein Auto-Router-Modul als optionale Komponente hinzu
  • 1991: Eagle 2.0 wurde durch einen Schaltplaneditor ergänzt
  • 2015: Eine spezielle Version von Eagle 4.09r2 wurde von CadSoft veröffentlicht, um die Installation unter Windows 7 zu erleichtern

Die Software besteht heute aus mehreren Komponenten: Layout-Editor, Schaltplan-Editor, Autorouter, CAM-Tool und Bauteil-Bibliotheken. Sie wurde für die Plattformen Microsoft Windows, Linux und OS X/macOS bereitgestellt. Die jetzt aktuelle Version ist 9.6.2. Mit Version 6 wechselte der Anbieter von einem proprietären Datenformat für u. a. Schaltpläne und Layouts hin zu einem XML-Datenformat, rückte also näher an den IPC heran. Ab Version 8 (2020) war Eagle nur noch als Abonnement zusammen mit Autodesk Fusion 360 erhältlich. Außerdem musste alle 30 Tage eine Internetverbindung bestehen, um die Lizenzierung zu bestätigen.

Mit Stand von 2017 wurde Eagle mit den in Tabelle 1 zeitlich beschränkten Lizenzen angeboten. Bis 2017 vertrieb man das Tool als zeitlich unbegrenztes Produkt in Versionen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Es gab damals acht unterschiedliche Lizenzversionen: Standard, Premium, Ultimate, Premium LS, Ultimate LS, Express, Educational, Maker, was dann ab 2017 in die in der Tabelle genannten vier Versionen reduziert (vereinfacht) wurde. Nur Eagle-Premium und Eagle-Ultimate waren als Mehrbenutzer-Lizenzen verfügbar.

Tab. 1: Versionen der Eagle-Lizenzen ab 2017 [2]

Version

Schaltpläne

je Projekt

Zahl der Lagen

Größe der Leiterplatte

kommerziell / nicht-kommerziell

Kosten pro Monat

Kosten pro Jahr

Free

2

2

80cm²

nur Einzelpersonen und nur nicht-kommerziell

gratis

gratis

Premium

999

16

4m²

beliebig

65 $

520 $

Standard

(nicht für Neukunden)

99

4

160cm²

beliebig

15 $

100 $

Student und Lehrer

999

16

4m²

nur für Lehre

gratis

gratis

Allmähliches Ausklinken

Abb. 4: Verändertes Eagle-Logo von AutodeskAbb. 4: Verändertes Eagle-Logo von AutodeskDie seit 2023 von Autodesk bezüglich Eagle verkündeten Änderungen können auch als Rationalisierungs- und Anpassungsbestrebungen des Anbieters an den sich verändernden Markt für EDA-Software angesehen werden. Autodesk hat für das allmähliche schrittweise Abkündigen der jeweiligen Nutzungsart von Eagle eine Zeitspanne von gut zwei Jahren vorgesehen (Abb. 4).

Unter [1] werden zum Beispiel folgende Änderungsetappen (Auswahl) angegeben:

  • 26. März 2024: Autodesk Fusion mit Eagle Premium mit monatlichen Laufzeiten wird nicht mehr zur Verlängerung angeboten
  • 31. März 2025: Jahreslaufzeiten von Autodesk Fusion mit Eagle Standard können nach diesem Datum nicht mehr verlängert werden
  • 7. Juni 2026: Eagle-Berechtigungen werden im Rahmen des Autodesk Fusion-Abonnements nicht mehr verfügbar sein und nicht mehr unterstützt. Eagle kann dann nicht mehr über das User-Konto bei Autodesk Account heruntergeladen und installiert werden. Die Lizenzierung für Eagle wird nicht mehr aktiv sein

Schaut man sich einen Bericht vom 29.6.2023 unter [3] an, werden wieder etwas andere Änderungsetappen bis zur endgültigen Einstellung von Eagle im Juni 2026 genannt in Abhängigkeit von der Art des Autodesk Eagle-Produktes und den Abonnementlaufzeiten. Es scheint schwierig zu sein, auf Anhieb den richtigen Durchblick zu den Veränderungen zu bekommen.

Graue Gerüchte

Auch dieses Thema ist für die Pionierzeit von CAD-Software interessant. Die Entwicklungsgeschichte der Design-Software war in der Vergangenheit nicht ganz unbefleckt, wie das nachfolgende Beispiel zeigt. So schrieb der Spiegel in seiner Ausgabe 36/1992 unter dem Titel ‚Das trojanische Pferd': Im Jahr 1992 verschickte CADSoft, so wie es damals üblich war, tausende Disketten mit einer Demoversion der Eagle-Software. Neben der Demoversion enthielt diese Diskette ein „Spionageprogramm“, das urheberrechtswidrig hergestellte Kopien entdecken sollte. Entdeckte man solche vermutlichen Piratenkopien, wurden die Benutzer dazu animiert, mittels eines vermeintlichen Bestellformulars für ein Gratis-Handbuch ihre Anschrift preiszugeben. Daraufhin erhielten diese Post von Anwälten von CADSoft mit dem Vorwurf, Raubkopien einzusetzen [2].

Gegenwärtige Nutzungsvarianten von Eagle

Sucht man auf den Internetseiten von Autodesk nach den aktuellen Nutzungsbedingungen von Eagle, wird dort weiterhin darauf hingewiesen, dass Eagle ausschließlich mit einem Abonnement von Autodesk Fusion 360 erhältlich ist [4]. Die in Tabelle 2 genannten Preise sind demnach die Preise für den Kauf von Autodesk Fusion in der Basisversion pro Jahr. Sie schließen Eagle ein. Es gibt jedoch auch verschieden lange Abonnementzeiten: 3 Jahre – 2232 €, 1 Jahr – 744 €, 1 Monat – 96 €. Eagle wird in drei Lizenz- bzw. Abonnementsvarianten angeboten: Eagle Standard, Eagle Premium und Eagle Free. Tabelle 2 zeigt grob den Leistungsumfang der jeweiligen Varianten. Vergleicht man die hier aufgeführten Preise mit denen in Tabelle 1, sind für Eagle-User gegenüber 2017 deutliche Preissteigerungen erkennbar. Allerdings muss man dabei auch berücksichtigen, dass sich seitdem die Leistungsfähigkeit des Tools erhöht hat und man sich gleichzeitig bei Autodesk Fusion einkauft.

Tab. 2: Vergleich des Funktionsumfangs, der Einsatzbereiche und der Möglichkeiten der verschiedenen Autodesk Eagle-Produkte
(Angaben in [4] am 13.3.2024)

Eagle Premium

Eagle Standard

Eagle Free

Für professionelle Anwender

Für durchschnittlichen täglichen Anspruch

Für Hobbyanwender mit eingeschränkten Funktionen

744 €/Jahr/je Benutzer

744 €/Jahr/je Benutzer

kostenlos

999 Schaltplanblätter

16 Signal- oder Plane-Lagen

Unbeschränkter Platz für Leiterplatten

99 Schaltplanblätter

4 Signal- oder Plane-Lagen

160 cm2 (24,8 Zoll2) Platz für Leiterplatten

2 Schaltplanblätter

2 Signal- oder Plane-Lagen

80 cm2 (12,4 Zoll2) Platz für Leiterplatten

Produkte auf Produktionsebene und erweiterte Board-Designs

Komplexe Multi-Layer-Leiterplatten-Layouts

Mehrseitige und hierarchische Stromlaufpläne

Erstellen und Verwalten von Bibliotheksinhalten (Team)

Produktentwürfe und grundlegende Elektronik

Multi-Layer-Leiterplatten-Layouts

Mehrseitige Stromlaufpläne

Erstellen und Verwalten von Bibliotheksinhalten (individuell)

Hobbyanwender, die sich mit Steckplatinen und Elektronik befassen

Einseitige oder doppelseitige Layer-Leiterplatten-Layouts

Grundlegende Stromlaufpläne

Zugriff auf Bibliotheksinhalte

Gründe für Autodesk Fusion 360

Abb. 5: Symbolischer Übergang von Eagle zu Autodesk FusionAbb. 5: Symbolischer Übergang von Eagle zu Autodesk FusionAutodesk Fusion 360 wurde offiziell am 24. September 2013 eingeführt. Es ist eine umfassende Cloud-basierte Software für 3D-CAD, CAM, CAE und PCB, die es Ingenieuren, Designern und Herstellern ermöglicht, nahtlos zusammenzuarbeiten und komplexe Projekte zu realisieren. Fusion 360 hat viele Funktionen von Inventor Fusion übernommen und bietet eine flexible und skalierbare Umgebung für das Design und die Fertigung von Produkten (Abb. 5).

In [3] wird folgendes erklärt: „Produktentwicklung und Fertigung unterliegen einem ständigen Wandel. Deshalb haben wir in den ersten Tagen nach der Übernahme von Eagle durch Autodesk offen unsere Absicht erklärt, Elektronik, mechanische Konstruktion und Fertigung unter einen Hut zu bringen. Unser Endziel war es immer, den Anwendern die Tools zur Verfügung zu stellen, die sie wirklich brauchen, um eine umfassende Produktentwicklung auf eine Art und Weise anzugehen, die zuvor schlicht nicht möglich war. Jetzt machen wir den nächsten Schritt, um diese Vision Realität werden zu lassen. Aufbauend auf den Schaltplanerfassungs- und PCB-Layout-Funktionen von Eagle hat das Autodesk-Team die Funktionen von PCB-Design und -Fertigung in Fusion 360 integriert und erweitert. Das Unternehmen führt dies mit mechanischem Design und Simulation, Industriedesign, Oberflächenmodellierung, CNC-Bearbeitung, Spritzguss, Blechverschachtelung, Laserschneiden, 3D-Druck und mehr, also den gesamten Produktentwicklungsprozess, in einem einzigen komplexen Werkzeug zusammen. Hier finden Sie alle Tools, die Sie benötigen, an einem Ort, um intelligent zu entwerfen, zu fertigen und zusammenzuarbeiten. Das Endziel ist es, Sie produktiver als je zuvor zu machen.“

Autodesk Fusion 360 ersetzt Eagle

Eigentlich ist diese Zwischenüberschrift falsch. Autodesk Fusion ersetzt nicht einfach Eagle, sondern leitet für Eagle-User faktisch eine neue Zeit ein, indem sich diese an ein umfangreiches, hierarchisch geordnetes Toolsystem gewöhnen müssen. Beispiel: Autodesk Fusion ist Bestandteil des Software-Bereichs Produktentwicklung und -fertigung von Autodesk (53 unterschiedliche Tools) und enthält selbst 10 Tools. Diese sind folgende:

  • 3D-Konstruktion und Modellierung
  • Fertigung
  • Elektronik
  • Datenmanagement
  • Zusammenarbeit
  • Additive Fertigung
  • Generatives Design
  • Simulation
  • Dokumentation
  • Autodesk-Fusion Extension

Autodesk Fusion Elektronik selbst enthält diese neun Teile:

  • Integrierte Elektronik
  • Erfassung von Stromlaufplänen
  • Leiterplatten-Layout
  • Leiterplattenfertigung (CAM)
  • Fertigungsorientierte Konstruktion/Design Rule Check
  • MCAD/ECAD-Vereinheitlichung
  • Komponentenbibliotheksverwaltung
  • SPICE-Simulation
  • Kühlung für elektronische Geräte

Ein Hinweis: In den Darstellungen von Autodesk wird meist nur ‚Autodesk Fusion' geschrieben, manchmal aber auch ‚Autodesk Fusion 360', was für den Neuling etwas irritierend sein kann. Der Autor konnte in der unterschiedlichen Schreibweise jedoch keinen inhaltlichen Unterschied entdecken.

Zusammengefasst kann folgendes festgestellt werden:

Autodesk Fusion 360 kombiniert die elektronische und mechanische Konstruktion, Simulation, Zusammenarbeit und Bearbeitung und führt den gesamten Produktentwicklungsprozess in einer einzigen Softwarelösung zusammen. Fusion 360 bietet eine einheitliche Lösung für die Entwurfsarbeitsabläufe bei ECAD und MCAD und vereint diese isolierten Konstruktionsdomänen in einer integrierten Umgebung. Die ECAD-Daten sind exakt mit den MCAD-Daten identisch, sodass man nicht mit mehreren Dateiaustauschformaten wie STEP, IGES, IDF usw. arbeiten muss.

Autodesk empfiehlt den Eagle-Anwendern, als Ersatz für die Abkündigung nun auf Autodesk Fusion 360 überzugehen, um vollen Zugriff auf den Elektronikarbeitsbereich von Autodesk zu erhalten. Das wird dadurch erleichtert, dass die Eagle-Dateien vollständig kompatibel mit dem Elektronikarbeitsbereich von Fusion 360 sind. Alle Befehle, die in Eagle verwendet werden, sind in der Benutzeroberfläche von Fusion verfügbar. Autodesk bietet einen Migrationsleitfaden, umfassende Tutorials, Dokumentationen und eine unterstützende Online-Community an, die den bisherigen Eagle-Anwendern helfen sollen, in die neuen Software-Tools zu migrieren. In [5] beispielsweise werden die grundlegenden Schritte dazu vorgestellt. Fusion 360 markiert nach Selbstdarstellung des Anbieters das Ende der elektronischen Punktlösung, wie es bei Eagle praktiziert wird. Es ist nach seinen Aussagen der Beginn einer neuen Ära des multidirektionalen End-to-End-Produktdesigns und der multidirektionalen Produktfertigung von Autodesk. Autodesk gibt an, dass Firmen weltweit um 4,6 Mio. Professionals Fusion 360 einsetzen, darunter japanische Konzerne wie Yamaha, Toyota, Panasonic.

Verändertes Lizenzsystem

Die Eagle-Nutzer werden sich auf ein etwas anderes Abonnementssystem als bisher gewöhnt einstellen müssen. Autodesk Fusion 360 bietet eine Vielzahl von Lizenzen, die den unterschiedlichen Design- und Fertigungszielen am besten entsprechen sollen, sei es für Design, Bearbeitung, Elektronik, 3D-Druck oder alles zusammen. Dabei gibt es fünf verschiedene Arten von Angeboten [6]:

  • 30-tägige kostenlose Testversion
  • Kommerzielles Abonnement
  • Neugründung (Start-up)
  • Persönlich (Privat)
  • Ausbildung

Ein kommerzielles Abonnement von Autodesk Fusion 360 in der Basisvariante umfasst vollständig integrierte CAD-, CAM-, CAE- und Leiterplattenfunktionen und wie bisher bei Eagle Premium bis zu 999 Stromlaufpläne, 16 Layer und einen unbegrenzten Leiterplattenbereich. Unter [5] werden Empfehlungen für die Migration der Design- und Bibliotheksdateien von Autodesk Eagle zu Fusion 360 Electronics gegeben. Allerdings werden beispielsweise in den USA und in Deutschland unterschiedliche Preise für die Lizenzen genommen. Am 16.3.24 kostete zum Beispiel die kommerzielle 1-Jahreslizent in den USA um 680 $, in Deutschland aber 744 €.

Arbeitsschwerpunkte für Autodesk Fusion 360 für 2024

Im Jahr 2024 konzentriert sich das Unternehmen für 2024 bei Autodesk Fusion laut Autodesk Fusion-Roadmap auf drei Hauptbereiche:

  • Cloud-Daten und Zusammenarbeit: Fusion strebt danach, Daten zu verbinden, Workflows zu vereinheitlichen und die Qualität und Leistung zu steigern. Verbesserungen in der Verwaltung, Einführung von Stücklisten (BOM) und erweiterte API-Funktionen sind Teil dieser Bemühungen
  • Kernfunktionen: Fusion wird weiterhin seine grundlegenden Funktionen stärken, um ein reiferes und widerstandsfähigeres Erlebnis zu bieten
  • KI und Automatisierung: Fusion wird KI- und Automatisierungsfunktionen entwickeln, um den Entwurfs- und Fertigungsprozess zu optimieren

Unter [7] werden die angestrebten Verbesserungen bzw. die Weiterentwicklungsrichtungen von Autodesk Fusion ausführlich vorgestellt und begründet. In Entwicklung ist beispielsweise Autodesk KI. Hier geht es darum, die kreative Erkundung und Problemlösung zu verbessern, mühsame und sich wiederholende Aufgaben zu automatisieren und Projektdaten zu analysieren, um vorausschauende Erkenntnisse zu gewinnen. Autodesk AI arbeitet wie ein Assistent mit den Ingenieuren zusammen, um ansonsten zeitaufwändige Aufgaben zu erleichtern und zu helfen, schneller ans Ziel zu kommen.

Die Mitbewerber stehen bereit

Das Angebot von Autodesk an seine bisherigen Eagle-Kunden, auf das recht komplexe Fusions-Tool-System zu wechseln, dürfte nicht bei allen Leiterplattendesignern Zuspruch finden. Deren Spannbreite reicht vom Hobby-Designer über das kleine Ingenieurbüro bis hin zu den Designabteilungen von Großunternehmen bzw. international arbeitenden Konzernen.

Hier bringen sich bereits andere Anbieter von CAD-Software in Stellung, die bereit sind, die ‚abtrünnigen' oder unschlüssigen Eagle-User aufzufangen. Ein Beispiel: Mitte März 2024 verschickte das Ingenieurbüro Friedrich, ansässig in Eichenzell, eine E-Mail, in dem den Eagle-Anwendern in Deutsch, Englisch und Französisch angeboten wurde, zum CAD-Tool Target 3000 der Firma ‚umzusteigen'. Dort hieß es u. a.:

„Target bietet Zukunfts- und Investitionssicherheit. Zeigen Sie, dass man 20 % beim Umstieg von Eagle zu Target sparen kann: Eagle geht, aber Target 3001 bleibt. Autodesk hat Eagle komplett abgekündigt.“

Tatsächlich könnte das Ingenieurbüro mit seinem Angebot Erfolg haben, denn insbesondere deutschen Designern könnte es gefallen, wieder in Deutschland kreierte Software anzuwenden und von einer deutschen Firma betreut zu werden, die telefonisch gut erreichbar ist und auch eine erfahrene Designer-Community aufzuweisen hat. Target 3001 ist in zwei Basisvarianten erhältlich: kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendung. Allerdings sind die preislichen Konditionen anders als bei Autodesk: alle User, egal ob Bastler, Student oder Unternehmen, müssen zahlen. Das kommerzielle User-Spektrum umfasst sechs Stufen, die Kaufpreise reichen von Smart (276,04 €) über Economy (922,85 €) bis hin zu MID (9471 €). Es ist ein anders abgestuftes und aufgebautes Lizenzsystem. Es dürfte interessant werden, was den Eagle-Usern mehr gefällt: der heimatliche EDA-Tool-Anbieter oder die in den USA ansässige Weltfirma mit ihrem deutlich größeren Produktumfang. Im Falle von Friedrich könnte man es als eine Rückkehr der Eagle-User zu den Wurzeln von Eagle, nämlich in das Heimatland von CADSoft sehen.

Referenzen:

[1] www.autodesk.de/products (Abruf 18.3.24).
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Eagle_(Software) (Abruf 14.3.24).
[3] www.autodesk.com/products/fusion-360/blog/de/future-of-autodesk-eagle-fusion-360-electronics/ (Abruf 14.3.24).
[4] www.autodesk.de/compare/eagle-vs-eagle-premium (Abruf 15.3.24).
[5] www.autodesk.com/products/fusion-360/blog/migrate-from-eagle-to-fusion-360-electronics-tutorial/ (Abruf 15.3.24).
[6] www.autodesk.com/products/fusion-360/blog/de/fusion-360-license-types/ (Abruf 15.3.24).
[7] www.autodesk.com/products/fusion-360/blog/2024-autodesk-fusion-roadmap/ (Abruf 15.3.24).

Weitere Informationen

  • Ausgabe: 5
  • Jahr: 2024
  • Autoren: Dr. Hartmut Poschmann

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