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Montag, 13 Juni 2022 09:22

Im Gegenteil - Romantische Umkehrungen

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Geschätzte Lesezeit: 1 - 2 Minuten

Wie Copernikus machens alle guten Forscher – Aerzte, und Beobachter und Denker – Sie drehn die Data und die Methode um, um zu sehen, obs da nicht besser geht. Der Satz kommt mit eigenwilligen Wortbildungen daher, aber als der junge romantische Dichter Friedrich von Hardenberg (1772–1801) um 1798 einige „Fragmente“ wie den zitierten Satz verfasste, hatte die deutsche Sprache ihren klassischen Zustand noch nicht erreicht.

Goethe und andere arbeiteten noch daran, und Friedrich von Hardenberg gab sich den Künstlernamen Novalis, um dabei mitmachen zu können. Er wollte Neuland schaffen, wie das Pseudonym andeutet, wobei Novalis nicht nur an die Sprache, sondern auch an das alltägliche Leben dachte. Warum sollte ein Bürger – oder Bürgerin – nicht sowohl künstlerisch tätig als auch praktisch orientiert sein, also etwas zugleich bewegen und bewahren können? Novalis, dem die lesende Menschheit die Erfindung der Blauen Blume der Romantik verdankt, agierte ganz selbstverständlich zwischen diesen Polen, deren duale Stellung ganz allgemein einen Zug des romantischen Denkens erkennen lässt, das zu jedem Stück ein Gegenstück verlangt und erwartet: Zum Tag die Nacht, zum Denken das Träumen, zum Bewussten das Unbewusste oder zum sichtbaren Licht mit seinen Farben das unsichtbare Licht mit seinen Energien. Und mit dieser grundsätzlichen Einstellung kann man einen neuen Blick auf die Hypothese des Kopernikus aus dem 15. Jahrhundert gewinnen, der damals bekanntlich vorgeschlagen hat, nicht weiter die Sonne um die Erde, sondern umgekehrt die Erde um die Sonne kreisen zu lassen. Es geht mit den Himmelserklärungen tatsächlich besser voran, wenn man „die Data“ umdreht, wie Novalis schreibt, wobei man sich wundert, woher er dies im digitalen Zeitalter so populäre Wort genommen hat. Das mit dem Besserwerden beim Umdrehen hat im 18. Jahrhundert der Philosoph Immanuel Kant genutzt, den Novalis „netter Beobachter“ nennt, als er die Bewegung der Sterne, die Menschen am nächtlichen Himmel sehen, nicht den Himmelskörpern, sondern umgekehrt den auf einem rotierenden Planeten stehenden Erdbewohnern zuschrieb – Kants kopernikanische Wende der Metaphysik, der zufolge Menschen die Naturgesetze nicht in ihr finden, sondern sie ihr vorschreiben.

Novalis hat unseren blauen Planeten nie gesehen, doch unsere kosmische Heimstatt ähnelt seiner blaue Blume. „Der Poët ver­steht die Natur besser, wie der wissenschaftliche Kopf“, schrieb er einmal. Wer weiß?

Weitere Informationen

  • Ausgabe: 6
  • Jahr: 2022
  • Autoren: Ernst Peter Fischer

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