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Donnerstag, 25 März 2021 10:59

Auf den Punkt gebracht: Pkw-Hersteller – bis 2022 wieder auf Vorkrisen-Niveau?

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Geschätzte Lesezeit: 4 - 7 Minuten
Abb.1: Der ID 3 von Volkswagen. CO2-Emission g/km: 0; Verbrauch kWh/100 km (kombiniert): 15,4-13,1; EK: A+ Abb.1: Der ID 3 von Volkswagen. CO2-Emission g/km: 0; Verbrauch kWh/100 km (kombiniert): 15,4-13,1; EK: A+

Erfolg ist nur gemietet, Mietzahlungen sind täglich fällig

Verstärkt durch die Corona-Pandemie brach der weltweite Automobilmarkt 2020 um weitere 15 % ein, nachdem 2019 bereits ein Minus von 5,2 % zu verzeichnen war (Abb. 3). Der Absturz des europäischen Pkw-Marktes 2020 war mit -24 % noch gewaltiger. Auch die USA mussten einen Rückgang von 14,7 % für das Gesamtjahr verkraften. Der weltgrößte Markt China knickte nur kurz Anfang 2020 ein, erholte sich aber schnell wieder und blieb für das Gesamtjahr nur noch um -6,1 % unter Vorjahres- Niveau (Abb. 4).

Abb. 2: Die Batterie-Vormontage 45 bis 77 kWh für den ID 3Abb. 2: Die Batterie-Vormontage 45 bis 77 kWh für den ID 3

Nur der Absatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland erreichte dank großzügiger Prämien neue Rekordstände. 194 000 Vollelektrische Pkw (BEV) und 200 500 Plugin Hybride (PHEV) wurden hier 2020 zugelassen (Abb. 1 u. 2).

Es geht wieder bergauf

Es ist davon auszugehen, dass sich in diesem Jahr eine langsame Verbesserung der Marktlage einstellt. Die Rückgänge des Jahres 2020 werden aber nicht vollständig wettgemacht. Die für die kommenden Monate zu erwartenden höheren Zuwachsraten dürfen vor dem Hintergrund der niedrigen Absatzzahlen während der Lockdown-Phase im Frühjahr 2020 nicht überbewertet werden. Es dürfte sich hier vor allem um einen ,technischen Aufschwung' handeln. Der Fahrzeugabsatz in den jeweiligen Märkten wird sich – mit Ausnahme von China – nur langsam dem jeweiligen Vorkrisen-Niveau annähern. Für Europa wird 2021 mit einem Wachstum von 12 % auf 13,4 Mio. Neufahrzeuge gerechnet. In den USA dürfte der Absatz 2021 um 9 % zulegen auf 15,8 Mio. Einheiten. Der chinesische Pkw-Markt wird mit 21,4 Mio. Einheiten mit einem Plus von 8 % bereits wieder das Vor-Corona-Niveau übersteigen. Der Pkw-Weltmarkt dürfte damit – nach einem Einbruch um 15 % in 2020 – in diesem Jahr um 9 % auf 73,8 Mio. zulegen. Aber auch dieses Absatzvolumen liegt noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau.

 Abb. 3: Globaler Fahrzeugmarkt – Anzahl verkaufter Fahrzeuge Millionen Einheiten alle TypenAbb. 3: Globaler Fahrzeugmarkt – Anzahl verkaufter Fahrzeuge Millionen Einheiten alle Typen

 Abb. 4: Pkw-Verkäufe EU27 + UK+EFTA versus China in Mio. Einheiten 1980–2021 PrognoseAbb. 4: Pkw-Verkäufe EU27 + UK+EFTA versus China in Mio. Einheiten 1980–2021 Prognose

Die Absatzzahlen im Detail

In Europa wurden im Jahr 2020 insgesamt knapp 12,0 Mio. Pkw neu zugelassen, 3,8 Mio. bzw. fast ein Viertel (-24 %) weniger als im Vorjahr (Tab. 1) Die fünf größten Märkte verbuchten durchweg zweistellige Rückgänge. In Deutschland sanken die Neuzulassungen um knapp ein Fünftel (-19 %). In Frankreich reduzierte sich das Absatzvolumen um ein Viertel (-25 %). In Italien (-28 %), dem Vereinigten Königreich (-29 %) und Spanien (-32 %) wurde jeweils knapp ein Drittel weniger Autos zugelassen. Alle Länder, die zum europäischen Markt zählen, mussten das Jahr 2020 mit einer negativen Bilanz abschließen. In den vergangenen Monaten ist zwar eine leichte Erholung erkennbar, aber noch im Dezember lag der Pkw-Absatz in Europa mit mehr als 1,2 Mio. Einheiten 4 % unter dem Vorjahresniveau.

Tab. 1: Zulassungszahlen Pkw in den wichtigsten Absatzmärkten 2020 versus 2019

Sales in Units

Dez 2020

+/- %

2020

+/- %

Westeuropa (EU14+EFTA+UK)*

1 093 400

-3,6

5 756 200

-24,5

USA**

1 608 900

6,4

14 463 900

-21,9

Japan

315 200

10,9

3 810 000

-11,4

Brasilien**

233 000

-7,6

1 954 800

-26,7

Indien

253 000

13,6

2 435 100

-17,8

China

2 328 000

7,2

19 790 000

-6,1

* ohne Malta ** Light Vehicles

     

 Abb. 5: Absatz in China 2018 bis 2020 in Prozent Abb. 5: Absatz in China 2018 bis 2020 in Prozent

In den USA schloss der Light-Vehicle-Markt (Pkw und Light Trucks) das Jahr 2020 mit knapp 14,5 Mio. verkauften Fahrzeugen ab (-15 %). Erstmals seit 2012 überschritt der US-Markt damit nicht mehr die 15-Millionen-Marke. Dabei ging der Absatz von Pkw um 28 % zurück, während im Light-Truck-Segment, das mittlerweile 76 % des Light-Vehicle-Marktes ausmacht, die Verkäufe um 10 % nachgaben. Im Dezember wurden 1,6 Mio. Light Vehicles verkauft (+6 %).

China hat die Corona-Pandemie und deren schwerwiegende Folgen für den Automobilabsatz weitestgehend hinter sich gelassen. Dank einer raschen Erholung hat sich das Minus im Jahr 2020 auf 6 % reduziert (19,8 Mio. Einheiten). Im Dezember gingen 2,3 Mio. Fahrzeuge an die chinesischen Kunden. Das ist ein Zuwachs um 7 % zum Vorjahr und der achte monatliche Anstieg in Folge. Der japanische Neuwagenmarkt blieb 2020 mit 3,8 Mio. verkauften Pkw um 11 % unter dem Vorjahresergebnis. Damit unterschritten die Verkäufe erstmals seit 2011 wieder die 4-Millionen-Marke. Im Dezember lag das Verkaufsniveau bei 315 200 Einheiten, 11 % mehr als im Vorjahresmonat.

Abb. 6: Pkw-Produktion + Markt Deutschland 2010–2021 in Mio. EinheitenAbb. 6: Pkw-Produktion + Markt Deutschland 2010–2021 in Mio. Einheiten

 Abb. 7: Antriebsarten an der weltweiten Automobilproduk-tion 2020 bis 2030 PrognoseAbb. 7: Antriebsarten an der weltweiten Automobilproduk-tion 2020 bis 2030 Prognose

Die Abhängigkeit von China steigt

Die Abhängigkeit der deutschen Pkw-Hersteller vom weltweit größten Automobilemarkt China steigt weiter an. Spitzenreiter ist der Volkswagen-Konzern mit seiner Tochter Audi die im letzten Jahr 41,4 % ihres Absatzes in China erwirtschafteten (Abb. 5). Damit ist für VW China längst der wichtigste Einzelmarkt geworden. Auch BMW verkauft jedes dritte Fahrzeug (33,4 %) in China. Mercedes folgt mit 30,6 % gleich danach. Da es sich i. d. R. bei allen drei Herstellern um Fahrzeuge mit Vollausstattung handelt, ist China nicht nur mengenmäßig, sondern auch auf der Ertragsseite die Hauptstütze der deutschen Autoindustrie.

Verlagerung der Pkw-Produktion ins Ausland

Der Produktionsstandort Deutschland leidet nicht nur bei der Elektronikproduktion. Wie in Abbildung 6 ersichtlich, schrumpft die deutsche Automobilproduktion seit 2016 kontinuierlich. Nach 5,8 Mio. Einheiten im Jahr 2016 rollten 2020 nur noch 3,9 Mio. Pkw vom Band. Selbst wenn man das Corona-Jahr 2020 außen vor lässt, so bleibt von 2016 zu 2019 ein Minus von 19 %. Dagegen ist der deutsche Pkw-Markt mit 3,5 Mio. Einheiten in der Vor-Corona Zeit ziemlich stabil geblieben.

Benziner auf dem Rückzug – 2030 rund 50 % alternative Antriebsformen

Noch dominieren 2020 Benzinmotoren mit 78 % die weltweite Automobilproduktion, ergänzt durch 14 % Dieselantriebe. Aber die Combustion Engines, also die Verbrennungsmotoren sind auf dem Rückzug. Noch sind Mild Hybrids (MHEV) nur mit 2 % vertreten, Hybridelektro (HEV) mit 3 % und Plugin Hybride (PHEG) und Batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) jeweils nur mit 1 %.

Aber das ändert sich rasant. Bereits 2025 sind Benzinmotoren nur noch mit 67 % dabei, Diesel mit 9 % und 2030 schrumpft der Anteil Benzinmotoren auf 47 % und Diesel auf 5 %. Dies bedeutet, dass in nicht einmal 10 Jahren rund die Hälfte der Antriebsformen keine Verbrennungsmotoren mehr sind.

Vor allem China pusht alternative Antriebe, mit einer starken Präferenz zu Wasserstoff. Korea und Japan sind hier weitere wichtige Treiber.

Auf den Punkt gebracht:

  • Nach einer Studie der Boston Consulting Group werden 2030 rund 50 % aller Fahrzeuge weltweit einen alternativen Antrieb haben. 47 % Benzinmotoren und 5 % Dieselantriebe sind dann der Zwischenstand.
  • Seit 2016 verliert der Produktionsstandort Deutschland für Automobile (bis 2019 oder vor Corona -19 %, und mit dem Corona-Jahr 2020 zusammen -33 %). Dagegen bleibt der Absatzmarkt Deutschland mit 3,5 Mio. Einheiten bis Corona stabil.
  • China ist für die deutschen Automobilhersteller VW (41 %), BMW (33 %) und Mercedes (31 %) der mit Abstand wichtigste und margenstärkste Absatzmarkt geworden
  • China wird 2021 voraussichtlich mit 21,4 Mio. Fahrzeugen wieder Vor-Corona-Niveau erreichen, während Europa 2021 mit prognostizierten 13,4 Mio. Einheiten nach 15,8 Mio. im Jahr 2019 noch deutlich unter Vorkrisen-Niveau bleiben wird.

Der Produktionsstandort Deutschland schrumpft seit Jahren. Nicht nur die Automobilindustrie verlagert Produktionsstätten, sprich: Arbeitsplätze ins Ausland, auch die Chemieindustrie und die Elektroindustrie kehren Deutschland den Rücken. Die Corona-Pandemie hat wie durch ein Vergrößerungsglas die strukturellen Defizite aufgezeigt. Von horrenden Energiekosten, einer mangelhaften Digitalisierung bis zum verbesserungswürdigen Schulwesen reicht die Spannbreite. Nicht zu Ende gedachte politische Forderungen wie ein überschnelles Verbot von Verbrennungsmotoren rettet nicht das Weltklima, sondern schwächt den Standort Deutschland und Europa und vernichtet Arbeitsplätze.

Wir sollten uns mitten in der schwersten Krise seit dem 2. Weltkrieg bewusst machen, dass Wohlstand, sichere Arbeitsplätze und sozialer Frieden nicht selbstverständlich sind. Erfolg ist nur gemietet und die Miete ist täglich fällig! Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Start in den Frühling.

Es grüßt Sie auf das Herzlichste

Ihr Hans-Joachim Friedrichkeit

Weitere Informationen

  • Ausgabe: 3
  • Jahr: 2021
  • Autoren: H. J. Friedrichkeit

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