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Montag, 11 Juli 2022 15:40

Situation und Trend in der globalen Elektronikindustrie

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Geschätzte Lesezeit: 13 - 26 Minuten

Ukraine-Konflikt und aktuelle Pandemie-Lockdowns in China haben die globale Elektronikbranche in noch größere Turbulenzen gestürzt. Das bis 2019 mehr oder weniger stabile Preis- und Liefergefüge ist bei vielen Zulieferungen Anfang 2022 noch mehr ins Wanken gekommen. Hinzu gesellt sich die massive Inflation. In diesem Beitrag wird gezeigt, welche Konsequenzen das für die Elektronikfertigung – insbesondere für Konsumelektronik – und für die Automobilindustrie hat.

Die globale Elektronikindustrie hat sich bis Ende März 2022 gut entwickelt. Seit diesem Monat änderte sich die Situation jedoch aus mehreren Gründen. Einer liegt im Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Durch ihn wurde die Verfügbarkeit von Nickel, Neongas und weiteren Rohstoffen erschwert. Bei Neongas liegt das Problem darin, dass zwischen 45 und 54 % des weltweit für die Halbleiterherstellung verwendeten Gases von zwei ukrainischen Unternehmen – Ingas und Cryoin – hergestellt werden. Einer anderer Grund ist der Ende März dieses Jahres in China von Süden nach Norden vollzogene Covid-19-Lockdown. Er betraf zunächst besonders schwerwiegend Shanghai, wurde darauf aber auf benachbarte Städte wie Kunshan und Suzhou ausgeweitet. Dort befindet sich die größte Konzentration von Produktionsstätten taiwanesischer Unternehmen der Elektronikindustrie. Bis heute kommen weiterhin gemischte Signale zur Entwicklung der Situation.

Es wird berichtet, dass die Shanghaier Tochtergesellschaft von Quanta Computer, Shanghai Quanta Manufacturing City, welche ein Firmenareal der Größe von 20 Fußballfeldern und 40 000 Beschäftigte aufweist, mit Covid-Infektionen in Schwierigkeiten geriet. Hier werden etwa drei Viertel der Macbook-Computer hergestellt. Infolgedessen gab Apple bekannt, dass sie im zweiten Quartal 2022 mit einem Umsatzrückgang von 8 Mrd. $ rechnen. Quanta bestückt auch Leiterplatten für Tesla. Die strikte Einhaltung der Zero-Covid-Politik durch die chinesische Regierung wird von der internationalen Gemeinschaft kritisiert. Auch Texas Instruments kündigte an, dass sein Jahresumsatz in diesem Jahr um bis zu 10 % sinken könnte. Bei einem weltweiten Jahresumsatz von 18,34 Mrd. $ im Jahr 2021 können das durchaus bis zu zwei Mrd. $ sein. Putin wird zwar ein unsinniger teurer Krieg gegen die Ukraine vorgeworfen, doch man addiere mal, wenn man die schrecklichen menschlichen Folgen des Krieges beiseite lässt, die ökonomischen Verluste, die durch die sehr strikten Corona-Maßnahmen in China hervorgerufen werden.

Inzwischen flammt überall die Inflation auf. In den Vereinigten Staaten, wo der Autor lebt, soll die aktuelle Inflation die höchste seit 40 Jahren sein. Die Federal Reserve hat die Zinsen erhöht, um die Inflation abzumildern, aber sie ist immer noch hoch. Vor einem Jahr kostete eine Gallone Benzin (etwa 3,8 Liter) mittlerer Qualität 3,2, heute 5 $. Das Wetter hier in New York wurde im März zwar allmählich wärmer, aber erst Anfang Mai wurde es stabil warm. Der Autor vermutet, dass seine Heizölkosten dieses Jahr durch die großen Preissteigerungen auf mehr als 7000 Dollar hochschießen werden. Dabei sind die Thermostate bereits ganz heruntergedreht. Er dachte, all dies würde sein Leben nicht stark beeinflussen, aber es wird allmählich beeinträchtigt.

Zwei alte Freunde, ein Europäer und ein Japaner, berichteten dem Autor kürzlich über ihre Lebensbedingungen in Shanghai. Sie sind seit Ende März in ihrem Apartmentkomplex eingesperrt. Die Lieferung von Lebensmitteln ist schwierig. Beide werden zwar nicht verhungern, aber es ist nicht möglich, solche Zutaten zu beschaffen, mit denen sie ihre Lieblingsgerichte zubereiten können. Die Freunde schrieben, dass ihre Fabrikmitarbeiter gute Arbeit geleistet haben, um die Anlagen am Laufen zu halten, aber es sei jeden Tag ein Kampf, die notwendigen Rohstoffe geliefert zu bekommen.

Große von Taiwanesen betriebene PCB-Werke konzentrieren sich auf Kunshan und Suzhou. Täglich gibt es gemischte Berichte über deren Status: Es geht ihnen trotz des Lockdowns relativ gut, aber die Umsätze werden um 5 bis 10 % sinken. Anfang Mai war es noch ungewiß, wie es mit der strengen CovidPolitik der chinesischen Regierung weitergehen wird.

Der Preis für Lithiumcarbonat, ein wesentlicher Bestandteil von Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge, stieg in China von 7900 $/Tonne im März 2021 auf 78000 $/Tonne im März 2022. Eine wichtige Quelle für Nickel sind Russland und die Ukraine. Sein Preis stieg innerhalb nur eines Monats, nämlich von Februar bis März 2022, um das Zehnfache. Das sind die ersten Auswirkungen des Ukraine-Konfliktes, der ja am 24. Februar begann. Mit Stand Ende Mai schien niemand in der Lage zu sein, vorherzusagen, wann der Krieg zu Ende gehen wird. Nickel ist ein wichtiges Material für Kathoden von EV-Batterien. Auch Kobalt ist knapp. 70 % des weltweiten Kobaltabbaus finden im Kongo statt, wobei weltweit die dortigen schlimmen Arbeitsbedingungen kritisiert werden: Kinderarbeit und sehr schlechte Bezahlung. Das Magazin Nikkei Automotive berichtete, dass Tesla-Chef Elon Musk diese Probleme erkannt und die Produktion bei der Hälfte seiner Batterien auf andere Materialien umgestellt hat, insbesondere auf alternative Metalle.

Viel zitiert wird der Mangel an Halbleiterchips. Während eine Reihe von Marktforschungsunternehmen sagt, dass der Mangel in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 verringert wird, dabei insbesondere für den Einsatz in der Automobilindustrie, vermutet der CEO von Intel, Glesinger, dass der Chipmangel bis 2024 anhalten wird. Da im Jahr 2024 mehrere seiner neuen Werke in Betrieb gehen werden, dürften seine Ausführungen aus Intels Sicht richtig sein. Es wird berichtet, dass in Deutschland Chips aus gebrauchten Haushaltsgeräten

entfernt werden, um sie für Automobil-Leiterplatten zu verwenden. Ein Freund in Kalifornien, der einen kleinen Leiterplattenbestückungsbetrieb betreibt, sagte dasselbe. Seine Kunden bringen alte Geräte und bitten ihn, aus ihnen Chips zu extrahieren, um damit Leiterplatten zu bestücken. Es sei nicht immer einfach, ICs sicher zu entfernen, ohne sie zu zerstören, schätzte er die bis dato ungewohnte Situation ein.

Nicht zu vergessen sind die Währungsprobleme und deren Folgen. Beispielsweise wurde der Wert des japanischen Yen drastisch reduziert. Anfang dieses Jahres handelte man 107–108 Yen pro $. Im Mai schwankte der Wechselkurs zwischen 130 und 135 Yen pro $. Eine Tasse mit Buchweizennudeln, früher 350 Yen wert, kostete im Mai bis zu 1000 Yen. Ein Großteil des Buchweizens wurde aus Russland importiert, aber die japanische Regierung stellte die Einfuhr aus Sanktionsgründen ein. Japan musste nun auf Importe aus anderen Ländern umstellen und zahlt deshalb aufgrund des geschwächten Wechselkurses einen um 20 % höheren Preis. Das alles sind schlechte Nachrichten, aber es gibt auch die gute, dass sich trotz verschwindend geringer Zunahme von Covid-Infektionen in der Metropole New York das Leben um den Autor herum allmählich normalisiert. Hoffentlich verbessert sich die Situation weiter, obwohl Covid selbst die eigene Familie nicht verschonte, und der Autor wieder reisen kann. Vielen Dank für die Geduld der Leser, denn das Vorwort ist ziemlich lang geworden. Die konkreten Ausführungen beginnen jetzt mit dem Stand der Halbleiterindustrie.

Halbleiterproduktion

Trotz des Mangels an Neongas wegen des Ukrainekonfliktes scheint sich die Halbleiterindustrie im ersten Quartal 2022 gut geschlagen zu haben und weiter voranzukommen. Mehrere Branchenanalysten sagen voraus, dass das Geschäft mit Halbleiterchips bis 2030 die Eine-Billion-Dollar-Marke erreichen wird. IC Insights prognostiziert, dass das Chipgeschäft im Jahr 2022 um 11 % auf 680 Mrd. $ wachsen wird. Für den Rest dieses Jahres werden in der Branche gemischte Signale von Knappheit und Suffizienz anhalten. Die Knappheitskrise des letzten Jahres bei Automobilchips führte dazu, dass sich die Wirtschaftsweise der Automobilindustrie von ‚Just-in-Time‘ zu einer angemessenen Menge an Lagerbeständen änderte. Das aktuelle Automobil-Leiterplattengeschäft scheint diesen Wandel widerzuspiegeln. Darüber wird später noch mehr gesagt.

Abb. 1: Entwicklung des weltweiten Halbleiterumsatzes von 2018 bis 2022 (Mrd. $) Abb. 1: Entwicklung des weltweiten Halbleiterumsatzes von 2018 bis 2022 (Mrd. $)

Abbildung 1 zeigt die jährliche Wachstumsraten (CAGR) und die Werte des weltweiten Halbleiterabsatzes von 2018 bis 2021 sowie eine Prognose für 2022, unterteilt in die beiden Produktkategorien IC und OSD. OSD steht für Optoelektronik/Sensoren/Diskrete Chips. Die Punkte der Strichlinie beinhalten die jeweiligen Jahreszuwächse. Hier gleich noch eine Anmerkung der Redaktion: Zur Vereinfachung wurde im gesamten Beitrag in Tabellen und Abbildungen die amerikanische Schreibweise der Zahlen beibehalten.

Abb. 2: Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bei bestimmten großen Halbleiter-Produktkategorien für die Zeitspanne 2021–2026 Abb. 2: Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bei bestimmten großen Halbleiter-Produktkategorien für die Zeitspanne 2021–2026

Abbildung 2 zeigt die vom Marktforschungsunternehmen IC Insights eingeschätzte durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) bei bestimmten großen Halbleiter-Produktkategorien für die Zeitspanne 2021–2026. Die höchste Wachstumsrate wird laut den Trendforschern für Sensoren/Aktoren (12,3 %) prognostiziert, vielleicht, weil ADAS (Advanced Driver Assistance Systems, autonome Antriebssysteme) in der zukünftigen Fahrzeugproduktion eine wachsende Rolle spielen werden und Industrie 4.0 immer mehr Sensoren benötigt. Für die gesamte Halbleiterbranche wird eine CAGR von 7,1 % und für das Teilgebiet IC von 6,9 % erwartet. Dieser IC-Wert passt nicht zum aktuellen Wachstum der Produktion von IC-Package-Substraten, das jährlich um 20 bis 30 % zulegt und wofür die Fertigungskapazitäten gegenwärtig kräftig ausgebaut werden.

Abb. 3: Entwicklung der Investitionen in Ausrüstungen für Halbleiterfertigung und -test von 2012 bis 2022 (Mrd. $)Abb. 3: Entwicklung der Investitionen in Ausrüstungen für Halbleiterfertigung und -test von 2012 bis 2022 (Mrd. $)

Der Interessenverband der Halbleiterhersteller SEMI prognostiziert, dass der Umsatz bei Ausrüstungen für die Halbleiterfertigung einschließlich Tests im Jahr 2022 ein Niveau von 100 Mrd. $ erreichen wird, was einer Steigerung von mehr als 10 % gegenüber 2021 entspricht (Abb. 3). Man vergleiche diesen Wert mit dem für 2022 erwarteten Halbleiterumsatz von fast 700 Mrd. $ gemäß Abbildung 1. Abbildung 3 ist auch zu entnehmen, dass sich der Umsatz bei Ausrüstungen für Produktion sowie Test von Halbleitern von 2012 (etwa 35 Mrd. $) bis 2022 beinahe verdreifacht haben wird. Die Steigerungsraten sind 2021 und 2022 besonders groß, einerseits bedingt durch den in den führenden Industrieländern (USA, Japan, Deutschland) eingeleiteten Aufbau eigener leistungsfähiger moderner IC-Fabriken, andererseits aber auch durch die mit jeder IC-Node-Generation exponentiell wachsenden Ausrüstungskosten.

Smartphones

Es gibt mehrere Marktforschungsunternehmen, die über den Smartphone-Markt berichten: IDC, Gartner, Counter Point, Canalys usw. Sie alle sind sich einig, dass die Auslieferung von Smartphones im 1. Quartal 2022 gegenüber dem 4. Quartal 2021 um 7 bis 9 % zurückgegangen ist (Abb. 4). Nach ihrer Meinung existieren dafür zwei Hauptgründe:

  • Komponentenknappheit
  • Käufer von Smartphones sehen keinen großen technologischen Fortschritt

Merkwürdigerweise wird ein weiterer möglicher Grund, nämlich die Auswirkungen von US-Sanktionen im Chipsektor gegen chinesische IC- und Elektronikhersteller wie Huawei, erst gar nicht erwähnt. Neue Qualitätsparameter bei Smartphones bedingen neue noch leistungsfähigere integrierte Schaltkreise auf Basis neuer Technologien.

Abb. 4: Entwicklung des globalen Smartphoneverkaufs im Jahr 2021 und im ersten Quartal 2022 (Mio. Stück) Abb. 4: Entwicklung des globalen Smartphoneverkaufs im Jahr 2021 und im ersten Quartal 2022 (Mio. Stück)

Das Wall Street Journal berichtete am 26. April unter Berufung auf die chinesischen ‚East New News‘, dass der Verkauf von Smartphones in China derzeit nicht gut läuft, teilweise aufgrund von Komponentenknappheit, deutlich mehr aber wegen geringer Kundenzufriedenheit. Die Zahlen in Abbildung 4 belegen, dass Vivo, Oppo und Xiaomi davon stark betroffen sind.

Gut informierte Analysten geben an, dass Käufer keinen Drang verspüren, neue Telefone zu erwerben, weil sie keine dramatisch neuen Innovationen sehen können. Wenn neue Telefone gekauft werden, sind die Datenübertragung vom alten Smartphone und der Neustart der Anwendungssoftware zeitaufwändig und umständlich. ,Längere Akkulaufzeit‘ und ,Schnellladen‘ reichen nicht aus, um auf neue Handys umzusteigen. Viele potenzielle Käufer sagen: Die Innovation im Bereich der Smartphones ruht. Was Smartphonehersteller tun, ist, alten ,Sake‘ in ein neues Glas zu füllen. In China sind mittlerweile mehr als 70 % der verwendeten Smartphones 5G-Telefone. Diejenigen Benutzer von Smartphones, die an der 5G-Technologie interessiert sind, besitzen bereits ein 5G-Telefon. In China verkaufen sich die preislich deutlich günstigeren 4G-Telefone besser. Na, wer weiß? Der Verkauf von Smartphones in den USA ging im März von einem Monat zum anderen um 24 % zurück. Ist hier die Situation ähnlich?

 Tab. 1: Absatzzahlen der fünf weltweit größten Smartphoneproduzenten für das 1. Quartal der Jahre 2021 und 2022 (vorläufige Ergebnisse, Mio. Stück) (Source: IDC Worldwide Quarterly Mobile Phone Tracker, April 28, 2022)

Produzent

Verkäufe 1. Quartal 2022

Marktanteil 1. Quartal 2022

Verkäufe 1. Quartal 2021

Marktanteil 1. Quartal 2021

Wachstum 1Q22-1Q21

1. Samsung

73,6

23,40 %

74,5

21,60 %

-1,20 %

2. Apple

56,5

18,00 %

55,3

16,00 %

2,20 %

3. Xiaomi

39,9

12,70 %

48,6

14,10 %

-17,80 %

4. OPPO

27,4

8,70 %

37,5

10,90 %

-26,80 %

5. Vivo

25,3

8,10 %

35

10,10 %

-27,70 %

Andere

91,4

29,10 %

93,9

27,20 %

-2,70 %

Gesamt

314,1

100,00 %

344,7

100,00 %

-8,90 %

Tabelle 1 enthält neben den kumulativen Zahlen des weltweiten Smartphoneverkaufes die Absatzzahlen der fünf weltweit größten Smartphoneproduzenten für das 1. Quartal der Jahre 2021 und 2022 und deren Marktanteile. Ebenso sind Angaben zu Veränderungen des Absatzes in dieser Zeit genannt. Zwar gerieten die Year-over-Year-Werte aller genannten Hersteller in den Negativ-Bereich, doch traf es die chinesischen Firmen Xiaomi, Oppo und Vivo besonders hart.

Abb. 5: Prognose der US-Marktforschungsfirma Canalys für die Entwicklung des Absatzes faltbarer Telefone (Mio. Stück) Abb. 5: Prognose der US-Marktforschungsfirma Canalys für die Entwicklung des Absatzes faltbarer Telefone (Mio. Stück)

Abb. 6: Samsung Galaxy Z Fold3 5G Abb. 6: Samsung Galaxy Z Fold3 5G Die taiwanesische Elektronikzeitung Digitimes hat eine Prognose der US-Marktforschungsfirma Canalys für faltbare Telefone veröffentlicht (Abb. 5). Derzeit ist Samsung führend, bald werden sich Apple und Google nach Meinung der Marktanalysten dem Zug anschließen. Wie Abbildung 5 erkennen lässt, hat sich der Absatz solcher Smartphones (oder bereits als faltbare Tablets anzusehen?) von 2019 bis 2021 fast verzehnfacht, weil grundlegende konstruktive Probleme zufriedenstellend gelöst wurden. Für die Zeitspanne 2019 bis 2024 wird eine jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 122 % erwartet. Der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP) soll bis 2024 unter 1000 $ fallen. In Deutschland kostet das Samsung Galaxy Z Fold3 5G, flexibles großes 7,6 Zoll Display, 128 GB Speicher, ohne Vertrag gegenwärtig bei Amazon 1049 € (Abb. 6).

Tab. 2: Prognose für die Entwicklung des globalen Absatzes faltbarer Smartphones 2020–2025 (Source: IDC Worldwide Quarterly Mobile Phone Tracker, April 28, 2022) 

Jahr

Geräte

Samsung

2020

< 3 Millionen

< 3 Millionen

2021

9 Millionen

7~8 Millionen

2022F

19 Millionen

12~14 Millionen

2025F

28 Millionen

Apple, Google?

F-Prognose

 

(Digitimes, Feb 2022)

Digitimes geht davon aus, dass 2025 weltweit bereits 28 Mio. Faltsmartphones abgesetzt werden könnten (Tab. 2). Bis 2022 wird wahrscheinlich Samsung mit 12 bis 14 Mio. abgesetzten Geräten das Feld beherrschen. Was danach kommt, ist ungewiß, denn auch Apple und Google befassen sich intensiv mit faltbaren Smartphones.

Personalcomputer

Verschiedene Marktforschungsunternehmen präsentierten ihre Forschungsergebnisse für PCs. Die Zahlen sind leicht unterschiedlich, aber alle stimmen darin überein, dass die PC-Lieferungen im 1. Quartal 2022 rückläufig waren. Dasselbe gilt für das Verhältnis 1. Quartal 2022 zu 4. Quartal 2021 als auch für 1. Quartal 2022 zu 1. Quartal 2021. Abbildung 7 bildet die weltweiten Verkäufe von Desktops und Notebooks für die Zeitspanne 1. Quartal 2020 bis 1. Quartal 2022 ab.

Abb. 7: Weltweite Verkäufe von Desktops und Notebooks für die Zeitspanne 1. Quartal 2020 bis 1. Quartal 2022 (Mio. Stück) Abb. 7: Weltweite Verkäufe von Desktops und Notebooks für die Zeitspanne 1. Quartal 2020 bis 1. Quartal 2022 (Mio. Stück)

Die Schätzung von Canalys liegt für das 1. Quartal 2022 bei minus 3 %, während CounterPoint im Vergleich 1. Quartal 2022/1. Quartal 2021 minus 4,7 % angibt. Der Rückgang kann teilweise durch Komponentenknappheit verursacht worden sein, aber das Ende von ,Sonderbestellungen‘ durch Home Office und ,Fernstudium‘ kann durchaus stärker gewirkt haben.

Tab. 3: Vorläufige Schätzungen zum weltweiten Verkauf von PC durch die führenden Hersteller im 1. Quartal 2022 und 1. Quartal 2021 nach Gartner (in Tausend Einheiten) (Gartner, April, 2022) 

Produzent

Verkäufe 1. Quartal 2022

Marktanteil 1. Quartal 2022

Verkäufe 1. Quartal 2021

Marktanteil 1. Quartal 2021

Wachstum 1Q22-1Q21

Lenovo

18.258

23,6 %

20.882

25 %

-12,6 %

HP Inc.

15.863

20,5 %

19.295

23,1 %

-17,8 %

Dell

13.739

17,7 %

13.084

15,7 %

5 %

Apple

7.005

9 %

6.449

7,7 %

8,6 %

ASUS

5.594

7,2 %

4.640

5,6 %

20,6 %

Acer

5.531

7,1 %

5.850

7 %

-5,5 %

Andere

11.503

14,8 %

13.393

16 %

-14,1 %

Gesamt

77.494

100 %

83.592

100 %

-7,3 %

Abb. 8: Vergleich des PC-Absatzes der größten Computerproduzenten im 1. Quartal 2022 und 1. Quartal 2021 (Mio. Stück) Abb. 8: Vergleich des PC-Absatzes der größten Computerproduzenten im 1. Quartal 2022 und 1. Quartal 2021 (Mio. Stück) Der Vergleich der Entwicklung der Verkäufe der weltweit größten PC-Hersteller 1. Quartal 2022 zu 1. Quartal 2021 in Abbildung 8 als auch Tabelle 3 lässt deutlich Gewinner (Apple, Dell, Asus) und Verlierer (Lenovo, HP, Acer) erkennen. Der weltweite Gesamtabsatz von PCs verringerte sich nach Angaben des Marktanalysten Gartner innerhalb eines Jahres um 7,3 %. Zu etwas anderen Ergebnissen als Gartner kommt die Analysefirma IDC. Sie geht von einem weltweiten Rückgang des PC-Verkaufes um minus 5,1 % aus. Obwohl beide Analysefirmen in ihren im April 2022 veröffentlichten Ermittlungsergebnissen wahrscheinlich von denselben Angaben der sechs führenden Hersteller ausgehen, differieren ihre Angaben etwas sowohl zu den Absatzzahlen der Hersteller als auch zum Gesamtabsatz. Um das zu verdeutlichen, werden in Tabelle 4 auch die Zahlen von IDC wiedergegeben. Die größte Unsicherheit in der Arbeit der Marktforschungsfirmen liegt allerdings in der Einschätzung des Wertes von ‚Other/andere Hersteller‘, wodurch es zu unterschiedlichen Einschätzungen im Welt-Gesamtabsatz und im äquivalenten Year-on-Year-Trend kommt. Letztlich ist wohl alles eine Frage der Arbeitsmethodik der Analytiker. IDC erarbeitete auch eine Prognose für die Absatzentwicklung von PC-Monitoren. Abbildung 9 sagt aus, dass die weltweite Wachstumsrate (YoY Growth) dieses Computerzubehörs bis 2026 Null beträgt. Das bedeutet, dass auch das Wachstum der PC-Lieferungen in den nächsten Jahren Null betragen wird. Die jährliche Produktion von Monitoren wird sich bis 2026 zwischen 135 und 140 Mio. Stück einpegeln.

Abb. 9: Weltweite Absatzentwicklung bei PC-Monitoren bis 2026 nach IDC (Mio. Stück) Abb. 9: Weltweite Absatzentwicklung bei PC-Monitoren bis 2026 nach IDC (Mio. Stück)

Tab. 4: Vorläufige Schätzungen zum weltweiten Verkauf von PC durch die führenden Hersteller im 1. Quartal 2022 und 1. Quartal 2021 nach IDC (vorläufige Ergebnisse, in Mio. Einheiten) (Source: IDC Quarterly Personal Computing Device Tracker, April 11, 2022) 

Produzent

Verkäufe 1. Quartal 2022

Marktanteil 1. Quartal 2022

Verkäufe 1. Quartal 2021

Marktanteil 1. Quartal 2021

Wachstum 1Q22-1Q21

Lenovo

18,3

22,70 %

20,1

23,70 %

-9,20 %

HP Inc.

15,8

19,70 %

19,2

22,70 %

-17,80 %

Dell Technol.

13,7

17,10 %

12,9

15,30 %

6,10 %

Apple

7,2

8,90 %

6,9

8,10 %

4,30 %

ASUS*

5,5

6,90 %

4,7

5,60 %

17,70 %

Acer Group*

5,4

6,80 %

5,8

6,80 %

-5,90 %

Andere

14,5

18,00 %

15,1

17,80 %

-4,00 %

Gesamt

80,5

100,00 %

84,8

100,00 %

-5,10 %

Tablets

Die Situation von Tablets ähnelt der von PCs. Das Ende oder die Reduzierung von Home Office und Fernstudium erfordern weniger Tablets. Tabelle 5 enthält Angaben von IDC zu den fünf größten Tablet-Herstellern, deren weltweite Lieferungen im 1. Quartal 2021 bzw. 2022 sowie ihre jeweiligen Marktanteile. Während Amazon und Samsung im YoY-Vergleich der genannten Quartale eine positive Entwicklung der Absatzzahlen vorweisen können, stürzten die Absatzmengen von Lenovo und Huawei förmlich ab. Die Gesamttendenz des Weltmarktes betrug deshalb minus 3,9 %.

Tab. 5: Absatzzahlen und Ränge der fünf weltweit größten Tabletproduzenten für das 1. Quartal der Jahre 2021 und 2022 (vorläufige Ergebnisse, Mio. Stück) (Source: IDC Worldwide Quarterly Personal Computing Device Tracker, April 29, 2022) 

Produzent

Verkäufe 1. Quartal 2022

Marktanteil 1. Quartal 2022

Verkäufe 1. Quartal 2021

Marktanteil 1. Quartal 2021

Wachstum 1Q22-1Q21

Apple

12,1

31,50 %

12,7

31,70 %

-4,60 %

Samsung

8,1

21,10 %

7,8

19,60 %

3,50 %

Amazon

3,7

9,60 %

3,5

8,70 %

6,30 %

Lenovo

3

7,80 %

4,1

10,10 %

-25,90 %

Huawei

2,2

5,80 %

2,7

6,80 %

-17,20 %

Andere

9,2

24,10 %

9,2

23,00 %

0,60 %

Gesamt

38,4

100,00 %

39,9

100,00 %

-3,90 %

TV-Geräte

Ab 2021 wird ein leichter Anstieg der TV-Verkäufe im Jahr 2022 prognostiziert, wie in Abbildung 10 zu sehen. Für diese positive Entwicklung kann durchaus die Corona-Pandemie verantwortlich gemacht werden, weil viele Menschen gezwungen waren, sich mehr zu Hause aufzuhalten. Ob der Absatz auch nach 2022 noch zunehmen wird, ist schwer vorauszusagen, denn das hängt von mehreren Faktoren ab. Beispielsweise ist der weitere Verlauf der Covid-19-Pandemie nicht absehbar.

Abb. 10: Globale Entwicklung des Absatzes von TV-Geräten von 2019 bis 2022 (Mio. Stück) Abb. 10: Globale Entwicklung des Absatzes von TV-Geräten von 2019 bis 2022 (Mio. Stück)

Automotive

Automotive ist der Bereich, für den sich der Autor am meisten interessiert. Zuletzt hatte er in der PLUS 1/2022 über den Stand in diesem Techniksektor berichtet. Er konnte jedoch nur Daten über die Situation bis einschließlich August 2021 liefern. Aufgrund der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit bei Elektroautos und der sich ständig verändernden Produktions- und Liefersituation möchte er aber die Möglichkeit nutzen, die Leser über die Ende des 1. Quartals 2022 bzw. im April 2022 zu verzeichnende Lage zu informieren. Allerdings sind die Marktinformationen zum jetzigen Zeitpunkt verwirrend. Es gibt einige optimistische und einige pessimistische Prognosen. Der Autor führte mehrere Telefonate und E-Mail-Interviews mit namhaften Automobil-Leiterplattenherstellern in Asien. „Wir haben große Bestellungen, aber die Auftragsfreigabe seitens der Besteller vollzieht sich langsam, abhängig von der Art des Kunden und seinen Modellen. Kundenseitig fehlen oft noch Komponenten. Corona-Lockdowns in Shanghai und Umgebung, also Kunshan und Suzhou, beginnen sich auch auf Produktion und Vertrieb solcher Komponenten auszuwirken, die für Automobilelektronik notwendig sind.“

Abb. 11: Entwicklung der chinesischen Pkw-Produktion von Januar 2017 bis April 2022 (Mio. Stück)Abb. 11: Entwicklung der chinesischen Pkw-Produktion von Januar 2017 bis April 2022 (Mio. Stück)

Verschiedenen Quellen zufolge gingen die Autoverkäufe in China bei Pkw im April 2022 um 38 bis 48 % im Monatsvergleich zurück (Abb. 11). Das Wall Street Journal (WSJ) gab unter Berufung auf die Ankündigung der China Passenger Car Association an, dass der Verkauf von Pkw in China im April dieses Jahres 1 040 000 betrug. Die Produktion fertigte 969 000 Einheiten, was einem Rückgang von 41 % gegenüber März 2022 entspricht. China verkaufte jedoch 282 000 Einheiten Plug-In NEV (beachten Sie, dass diese Zahl im Widerspruch zu der später angezeigten Zahl steht), eine Steigerung von 48 % im Vergleich zum April 2021. Der NEV-Anteil betrug 28 % des gesamten Autoverkaufs. Auch die Herstellung kommerzieller Fahrzeuge war gemäß Abbildung 11 vom Niedergang im März betroffen.

Zum besseren Verständnis hier noch einmal die Bedeutung der Abkürzungen: Das Kürzel EV umfasst batteriebetriebene Fahrzeug (BEV), wie die Europäer es lieber nennen, Plug-In-Hybridfahrzeuge (PHEV), Hybridfahrzeuge (HEV) und Brennstoffzellenfahrzeuge (FCV, Hydrogen Fuel Cell). Die Chinesen nennen alles zusammen einfach New Energy Vehicle (NEV).

Abb. 12: Globale Absatzprognose für Pkw von Nikkei für die Zeitspanne 2017–2026 (Mio. Stück) Abb. 12: Globale Absatzprognose für Pkw von Nikkei für die Zeitspanne 2017–2026 (Mio. Stück)

Tesla Shanghai produzierte im April 10 757 Einheiten, verkaufte davon aber nur 1 512 (?). Im März wurden noch 60 000 Einheiten abgesetzt. Toyota kündigte an, im Mai voraussichtlich 700 000 Einheiten zu produzieren, 50 000 Einheiten weniger als ursprünglich geplant. Der Anteil japanischer Elektrofahrzeuge am globalen Gesamtverkauf beträgt nur 4 %, während japanische Autohersteller im Allgemeinen einen Anteil von etwa 27 % am weltweiten Autoverkauf haben. Quo Vadis?

Laut der britischen Marktforschungsfirma LMC Automotive, die eines der führenden Analyseunternehmen im Automobilsektor ist, betrug der Geamt-Autoabsatz im 1. Quartal 2022 (Year-to-Date) in ,Westeurpa‘ 2 476 816 Einheiten, was minus 11,3 % im Vergleich zum 1. Quartal 2021 bedeutet. Der Rückgang im 1. Quartal 2022 gegenüber dem 1. Quartal 2021 ist mit Ausnahme von Portugal und Irland in allen westeuropäischen Ländern zu verzeichnen. An der Spitze mit dem größten Abfall liegen Italien (minus 24,4 %), Schweden (minus 23,2 %), Finnland (minus 22,4 %). Deutschland nimmt mit minus 4,6 % noch eine sehr moderate Position ein.

Wie schwer es ist, einigermaßen richtige Prognosen zu erstellen, bewies die japanische Wirtschaftszeitung Nihon Keizai Shimbun (Nikkei). Sie gab für 2021 gemäß Abbildung 12 eine optimistische Pkw-Absatzzahl von 92 Mio. an. Tatsächlich waren es nur 81 Mio.. Ob ausgehend von der jetzigen Situation im Jahr 2026 tatsächlich 106 Mio. verkaufte Pkw realisierbar sind, hängt von vielen Unbekannten ab.

Abb. 13: Entwicklung des EV-Absatzes in China von 2017 bis März 2022 Abb. 13: Entwicklung des EV-Absatzes in China von 2017 bis März 2022

Eine andere Sache ist, wie schnell der Übergang auf Elektrofahrzeuge vonstatten gehen wird. Trotz des derzeit allgemein rückläufigen Autoabsatzes floriert deren Verkauf. Es scheint dem Autor, dass EV-Hersteller zuerst auf wohlhabende Kunden abzielen, die nicht preisbewusst sind. Denn viele EVs, die 400 bis 500 Meilen mit einer einzigen vollen Batterieladung fahren können, kosten zwischen 120 000 und 200 000 $, weit außerhalb der Reichweite der ‚Normalbürger‘. Wenn die Zahl der Elektrofahrzeuge zunimmt, werden neue Technologien, die für High-End-Modelle entwickelt wurden, in Zukunft auf preisgünstige, leichter erschwingliche Modelle übertragen. Dann explodiert die Popularität von Elektrofahrzeugen, glaubt er.

Ein Freund des Autors, der vor acht Jahren ein Tesla Model S kaufte, musste die Batterie wechseln. Die neue Batterie kostete ihn 27 000 Dollar. Für das ursprüngliche Model S bezahlte er 78 000 Dollar minus 7500 Dollar Anreiz der US-Regierung. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Batteriekosten mehr als 50 % der Herstellungskosten betragen haben. Durch die tägliche Nutzung des Model S begann er, immer weniger Kilometer pro vollständiger Ladung zu fahren, und die Ladezeit wurde immer länger. Also beschloss mein Freund, 27 000 Dollar zu zahlen, um eine neue Batterie zu bekommen. Wiederholtes Nachladen verschlechtert die Batterielebensdauer.

Abb. 14: Entwicklung des EV-Absatzes in Europa von 2018 bis März 2022 Abb. 14: Entwicklung des EV-Absatzes in Europa von 2018 bis März 2022

Apropos Lithium-Ionen-Batterie, der Preis ist im Laufe der Jahre immer weiter gesunken, in den letzten zehn Jahren um 80 %. Derzeit aber scheint der Batteriepreis aufgrund steigender Materialkosten und der Verknappung bestimmter Inhaltsstoffe gestiegen zu sein. Um diesen Preisanstieg auszugleichen, haben alle EV-Hersteller ihre Verkaufspreise seit Ende 2021 angehoben und erhöhen den Preis weiter. Die Preiserhöhung beträgt bisher bis zu 30 %, aber nicht auf einen Schlag – vielmehr in zwei bis drei aufeinander folgenden Anhebungen seit Anfang des Jahres.

Chinas Auslieferung von Elektrofahrzeugen im März 2022 betrug 458 273 Einheiten (+118 % im Jahresvergleich zu März 2021) gemäß Abbildung 13. Das ergibt 26 % der gesamten Autoverkäufe in China. WSJ meldete, wie vorn berichtet, aber 282 000 EV. Woher der Unterschied? Es gibt aber noch andere Informationen: Laut der taiwanesischen Researcher and Research LLC erreichte Chinas EV-Markt im ersten Quartal 2022 einen Umfang von 1,131 Mio. Einheiten mit einer jährlichen Wachstumsrate (YoY) von 145 %. Sein Anteil am globalen Elektrofahrzeugmarkt stieg von 39,4 % im gleichen Zeitraum des Vorjahres auf 56,5 % jetzt. Abgesehen davon, dass China seine Position als weltweit größter Absatzmarkt für Elektrofahrzeuge behaupten konnte, hatte das Land auch die höchste jährliche Wachstumsrate unter den globalen Top-10-EV-Ländern.

Abb. 15: Entwicklung des EV-Absatzes weltweit von 2018 bis März 2022 Abb. 15: Entwicklung des EV-Absatzes weltweit von 2018 bis März 2022

Der Absatz von Elektrofahrzeugen in Europa lag im März 2022 bei 250 601 Einheiten (+10 % gegenüber März 2021), was 22 % des gesamten Autoverkaufes in Europa ausmacht (Abb. 14). Gegenüber Januar und Februar 2022 ist ein überdurchschnittlicher Anstieg zu erkennen. Treibt die hohe Inflationsrate den EV-Verkauf an, bevor alles noch teurer wird? Oder sind es auch die stark gestiegenen Treibstoffpreise und die ungewisse politische Situation in Europa?

Abb. 16: Honda will bis 2030 kräftig in den EV-Markt eingreifen Abb. 16: Honda will bis 2030 kräftig in den EV-Markt eingreifen Im März 2022 wurden global 851 489 EV verkauft, ein Plus von 60 % im Jahresvergleich. Das sind bemerkenswerte Steigerungsraten, die aber an China selbst bei weitem nicht herankommen. Es sind nur 15 % der Gesamtzahl der verkauften Pkw. Der weltweite EV-Absatz im gesamten ersten Quartal 2022 betrug 1 997 348 Einheiten. Bei diesem Tempo sind 10 Mio. EV im ganzen Jahr 2022 kaum zu schaffen, obwohl es 2021 bereits 6,5 Mio. Elektrofahrzeuge waren (Abb. 15). Aber auch hier ist im März 2022 ein deutlicher Absatzsprung gegenüber Januar und Februar auffällig.

In den USA belief sich die kumulierte Gesamtmenge von Elektrofahrzeugen Ende 2021 auf 2 642 028 Stück, von denen 1 135 387 Einheiten allein in Kalifornien verkauft wurden, was 43 % des gesamten US-Verkaufs von Elektrofahrzeugen entspricht. Es gibt aber noch mehr über dieses US-Bundesland zu berichten: Bisher waren 84 verschiedene EV-Modelle verfügbar, dazu 79 023 öffentliche Batterieladestationen und 54 Wasserstofftankstellen.

Der Jahresabsatz in Japan erreichte 2021 bei Pkw insgesamt 4,45 Mio., was einem Rückgang von 3,3 % gegenüber 2020 entspricht. Im ersten Quartal 2022 gingen die Verkäufe mit 1,2 Mio. verkauften Einheiten um 16,3 % zurück. Sicher ist, dass der Absatz von Elektrofahrzeugen in Japan weit hinter China (1,4 % von China) und Deutschland (6,8 % von Deutschland) zurückbleibt. Japanische Autohersteller kündigten deshalb aggressive EV-Pläne an. Honda erklärte, dass der Autohersteller ab 2030 nur noch Elektrofahrzeuge herstellen und seine hervorragenden ICE-Technologien (Internal Combustion Engine/Verbrennungsmotoren) aufgeben werde (Abb. 16). Das Unternehmen wurde von Sony als EV-Partner ausgewählt. Ziel sind zwei Mio. EV-Fahrzeuge jährlich sowie 30 Modelle. Toyota kündigte an, bis 2030 mindestens 3,5 Mio. Elektrofahrzeuge pro Jahr herzustellen und dabei weiterhin ICE beizubehalten. Subaru stellte sein erstes EV-Modell (SUV-Typ) vor, das auf der EV-Plattform von Toyota basiert. Nissan, Mitsubishi, Suzuki und andere Autohersteller bewegen sich ,endlich‘ in die EV-Arena.

Tab. 6: Übersicht über Preise und Reichweiten einiger Elektrofahrzeuge, erstellt von Bloomberg im Januar 2022 (Data: Bloomberg reporting)

Company

Model

Starting price

Starting range

Canoo

Van

$34 750

250 miles

Fisker

Ocean

37 499

250

Tesla

Cybertruck

39 900

250

Ford

F-150 Lightning

39 974

230

Audi

Q4 e-tron

43 900

241

Nissan

Ariya

47 125

300

Lordstown

Endurance

52 500

250

BMW

i4

55 400

245

Toyota

bZ4X

55 455

250

Kia

EV6

58 500

310

Volvo

C40 Recharge

58 750

226

Cadilliac

Lyriq

59 990

300

Rivian

R1S

72 500

316

BMW

iX

83 200

324

Mercedes

EQS

102 310

340

Bollinger

B1

125 000

200

Bollinger

B2

125 000

200

Lotus

Evija

2 000 000

250

Zum Abschluss wird eine Preistabelle für einige EV vorgestellt, die von Bloomberg bereits im Januar 2022 publiziert wurde. Seitdem sind die Preise aber erheblich gestiegen (Tab. 6).

Abb. 17: Elektroauto Wuling Hongguang Mini von SAIC General Motors Abb. 17: Elektroauto Wuling Hongguang Mini von SAIC General Motors In der Übersicht fällt auf, dass kein Elektrofahrzeug darunter ist mit einem Preis unterhalb 30 000 $. In diesem Zusammenhang soll auf eine andere Tabelle verwiesen werden, welche die taiwanesische Researcher and Research LLC zusammengestellt hat. Sie gibt eine Übersicht über die auf dem chinesischen Markt im 1. Quartal 2022 meist verkauften 20 EV [1]. Unter den 20 Modellen nehmen solche der chinesischen BYD Auto Company Limited allein acht Positionen ein. Platz 1 sicherte sich das Modell Wuling Hongguang Mini, welches auf Anhieb einen Marktanteil von 9,4 % erzielte. Bis Januar 2022 wurden insgesamt mehr als 500 000 Stück davon verkauft. Es ist ein Kleinstwagen, der vom chinesischen Hersteller SAIC General Motors (General Motors und der Kooperations-Partner SAIC – Shanghai Automotive Industry Corporation) unter der Marke Wuling vertrieben wird. Die Markteinführung in China begann im Juli 2020. Innerhalb kurzer Zeit löste der Mini das Tesla Model 3 als meistverkauftes Elektroauto ab. Das zweisitzige EV-,Stadtauto‘ kostet in der Basisversion unter 7000 €. Je nach Batteriegröße sind es umgerechnet sogar nur zwischen 3700 und 5000 € (Abb. 17). Mit der stärksten möglichen Batterie fährt das Auto 300 km weit. Zusätzlich zu diesem Bestseller schickt das Joint-Venture jetzt den Nano EV an den Start. Mit einer Länge von nur 2,50 Metern ist der Nano nochmals kleiner als der 2,92 Meter lange Hongguang Mini EV.

Es ist anzunehmen, dass mit diesen umweltfreundlichen EV-Kleinwagen die Bedürfnisse vieler solcher Autofahrer befriedigt werden können, die ihr jetziges Fahrzeug hauptsächlich für kurze Strecken benutzen, um zum Beispiel zur Arbeitstelle oder Einkaufen zu fahren – und folglich auf ein größeres traditionelles Fahrzeug verzichten würden.

Übersetzung, Bearbeitung und Ergänzung des Artikels: Dr. Hartmut Poschmann.

Anmerkungen/Referenzen:

[1] https://thernrcorp.com/index.php/2022/04/25/chinese-ev-market-grew-145-percent-annually-in-q1-2022/

Weitere Informationen

  • Ausgabe: 7
  • Jahr: 2022
  • Autoren: Dr. Hayao Nakahara, N. T. Information Ltd

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