Eugen G. Leuze Verlag KG
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Freitag, 14 Oktober 2022 12:00

Auf den Punkt gebracht: 20 Jahre auf den Punkt gebracht

von
Geschätzte Lesezeit: 3 - 6 Minuten
Abb.1: Shanghai Pudong, Symbol für den Aufstieg Chinas Abb.1: Shanghai Pudong, Symbol für den Aufstieg Chinas hxdyl - stock.adobe.com

China – ein unberechenbarer Drache
2002 versus 2022

In eigener Sache:

Es war irgendwann Anfang der 90iger Jahre auf einer IPC Tagung in Kalifornien. Die Herausgeberin von Circuit Tree und Printed Circuit Fabrication (PC-FAB) Frances Stewart meinte an einem Networking Abend: Hans, Du hälst immer wieder Vorträge in den USA, Japan und Europa, warum schreibst Du nicht ab und zu auch einen Artikel für uns. So landete ich als ‚Guest Editor' im Impressum der PC-FAB.

Auch Kurt Reichert, der leider viel zu früh verstorbene Chef des Eugen G. Leuze Verlages, fragte wiederholt an. Aber als Geschäftsführer eines expandierenden Leiterplattenherstellers mit damals 100 Mio. DM Umsatz und hunderten Mitarbeitern war die Zeit äußerst knapp. Kurt Reichert zeigte Verständnis.

1999 hob Kurt Reichert dann als neue Zeitschrift die ‚PLUS – Produktion von Leiterplatten und Systemen' aus der Taufe, unterstützt von tatkräftigen Redakteuren wie Gustl Keller, Wolfgang Reise und Dr. Hans Hübner.

Drei Jahre später im Jahr 2002 sprach Kurt Reichert den Autor erneut an. Meine damalige Antwort lautete: „Aber höchstens zwei oder drei Beiträge“. Kurt Reicherts hartnäckiges Werben war der Beginn einer kleinen Erfolgsstory, denn daraus wurden in den letzten 20 Jahren rund 250 Beiträge für die PLUS.

‚China, ein unberechenbarer Drache?' lautete der Titel des zweiten Beitrages im Dezember 2002. Was ist in 20 Jahren aus den damaligen Beobachtungen und Analysen des Autors in China geworden?

plus 2022 10 0200

Heute ist China längst zu einer Superpower geworden (Abb. 1). Mit einem BIP 2022 von 19.9 Bill. $ ist das Land in den nächsten 10 Jahren auf der Überholspur zur weltgrößten Wirtschaftsmacht versus den USA mit derzeit 25,3 Bill. $ BIP; zum Vergleich: BIP Deutschland 4,3 Bill. $.

Die Liste der Top 15 LP Hersteller ‚China 2001 im Vergleich zu 2021' zeigt mit welcher Dynamik China sich in den letzten 20 Jahren entwickelt hat, im Gegensatz zu Deutschland. Der weltweit größte chinesisch / taiwanische LP Hersteller Zhen Ding Technology erzielte 2021 einen Umsatz von 5,609 Mrd. $, der zweitgrößte Unimicron 3,783 Mrd. $ (Quelle: NTI 2021).

Abb. 2: Deutscher Außenhandel: Import vs. Export mit China in Prozent

Am Beispiel der familiengeführten Firma WUS (Nr. 20 der Weltrangliste), die nicht wie andere mehrfach verkauft oder andere Firmen zugekauft hat, wird dies deutlich. 2001 betrug der WUS Umsatz 83 Mio. $, 2021 mit 1,152 Mrd. $ das 14-fache. Der erfolgreichste Protagonist der europäischen Leiterplattenindustrie, die österreichische AT+S versechsfachte ihren Umsatz von 256 Mio. € 2001 auf 1,6 Mrd. € im Jahr 2021.

Exchange Rate RMB 6,4/USD (Quelle: NTI 9/21) 

Top 15 LP Hersteller China 2001 versus 2021 (Umsatz Mio. $)

  1. GHANGZHOU TIANLI PWB CO., LTD $157 verkauft an TTM (Gruppe 2,249)
  2. TOP-SEARCH PWB (SHENZHEN) CO., LTD $116 geschätzt $70 million
  3. HUATONG COMPUTER (HUIZHOU) CO., LTD $111 geschätzt $600-$700 million
  4. KAIPING ELEC & ELTEK COMPANY LIMITED $100 Teil von Kingboard (Gruppe $1,828)
  5. WUS PRINTED CIRCUIT (KUNSHAN) CO., LTD $83 $1,152 million (Wachstum: 14-Fach)
  6. KALEX MULTI-LAYER CIRCUIT BOARD (ZHONG SHAN) LTD. 80 Teil von TTM (Gruppe $2,249)
  7. ELEC&ELTEK (GUANGZHOU) ELECTRONIC CO., LTD $80 Teil von Kingboard (Gruppe $1,828)
  8. CHINA CIRCUIT TECHNOLOGY (SHANTOU) CORP. $64 $450 million
  9. PLATO ELECTRONIC PLANT $64 aufgelöst
  10. SHENGYI ELECTRONICS LTD. $63 $570 million
  11. SHANGHAI MEADVILLE verkauft an TTM, ELECTRONICS CO., LTD. $37 dann an AMK (Gruppe $1,123)
  12. WONGS CIRCUITS (HUIZHOU) LTD. $36 aufgelöst
  13. BRAIN POWER ELECTRONICS SHENZHEN CORP. $36 $168
  14. ZHUHAI MULTILAYER PCB CO., LTD. $32 verkauft an DSBJ (Gruppe $3,201)
  15. SHENZHEN SHENNAN CIRCUIT CO., LTD. $32 $2,178

Auch der Taiwankonflikt hat sich in den letzten 20 Jahren nicht entspannt, sondern ist vielmehr eskaliert. Eine mehr oder weniger gewaltsame Übernahme durch China würde die westliche Welt ihrer wichtigsten Chipquelle berauben. Deshalb wird der Aufbau alternativer Produktionsstandorte für Halbleiter-Chips in den USA, Asien und Europa mit Hochdruck vorangetrieben (siehe ‚Auf den Punkt gebracht 4/22').

Die im vorgenannten Beitrag aus 12/2002 beschriebene manuelle Überwachung des Einzelnen ist heute mit AI hoch professionalisiert.

Die Abhängigkeit von China wächst

Die wirtschaftliche Abhängigkeit von China hat in den letzten 20 Jahren weiter massiv zugenommen. Kamen im Jahr 2000 nur 3,4 % aller deutschen Importe aus China, sind es heute 12,4 %. Umgekehrt sind die Exporte von 1,6 % auf nur auf 7,4 % unterproportional gestiegen (Abb. 2). Entsprechend verändert sich der Handelsbilanzsaldo von -9,1 Mrd. € im Jahr 2000 weiter zum Negativen auf derzeit -40,8 Mrd. € im 1. Halbjahr 2022 (Abb. 3).

Abb. 3: Handelsbilanzsaldo mit China in Milliarden EuroAbb. 3: Handelsbilanzsaldo mit China in Milliarden Euro

Auch die deutschen Direktinvestitionen haben trotz des Konfliktes USA – China weiter zugelegt, wie die Abbildung 4 zeigt, von 1 Mrd. € im Jahr 2000 auf 10 Mrd. € im 1. Halbjahr 2022.

Auf den Punkt gebracht

Als ich Anfang der 1970ziger Jahre erstmals von den Küstenbergen auf Shenzhen blickte, war dies ein Fischerdorf mit weniger als 20 000 Einwohnern. Daraus ist in 50 Jahren ein Technologiezentrum mit 20 Millionen Einwohnern geworden. Eine ähnliche Entwicklung hatte in Shanghai der Stadtteil Pudong (Abb. 1).

Abb. 4: Deutsche Direktinvestitionen in China in Milliarden EuroAbb. 4: Deutsche Direktinvestitionen in China in Milliarden Euro

Ein Konflikt USA – China würde die Auswirkungen des jetzigen Konflikts mit Russland in den Schatten stellen, denn nicht nur die Automobilindustrie mit Volkswagen, BMW und Mercedes generiert 30 - 40 % ihres hochprofitablen Umsatzes in China, sondern auch viele Mittelständler. Wir sollten hier risikoreiche Fehler der Vergangenheit mit Sanktionen, die uns selbst mehr treffen als die Sanktionsziele, nicht wiederholen.

Der Segen der Globalisierung ist unser Wohlstand, der Fluch unsere multiple Abhängigkeit von anderen, vielfach autokratisch geführten Ländern. Es ist gefährlich naiv zu glauben, wir könnten das eine ohne das andere haben!

Bleiben Sie kritisch und nachdenklich, aber auch optimistisch

Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Hans-Joachim Friedrichkeit

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Vielen Dank, Herr Friedrichkeit!

Es hieße Eulen nach Athen zu tragen, wollte man den Lesern der PLUS Hans-Joachim Friedrichkeit vorstellen. Dennoch ein paar kurze Worte zu diesem besonderen Jubiläum: Seit nun 20 Jahren zeichnet Herr Friedrichkeit für die Kolumne ‚Auf den Punkt gebracht' verantwortlich – deren Seiten zu den Beliebtesten unserer Fachzeitschrift zählen. Der langjährige Unternehmer in der Elektronikindustrie und renommierte Unternehmensberater, der die Consultingfirma PCB Network verkörpert, wurde 2002 von Kurt Reichert als Kolumnist der PLUS an Bord geholt. Verlässlich gewährt er Monat für Monat Einblick in seine profunden Kenntnisse der Elektronikindustrie, analysiert (oft scharfzüngig) jüngste Entwicklungen, politische Hintergründe und ökonomische Zusammenhänge – ob es um unsere Rohstoffabhängigkeit (7/2022), die anhaltende Chip- und Halbleiterkrise (3/2022) oder die Konkurrenz mit der chinesischen Volksrepublik geht – so im ersten Artikel 11/2002 als auch heuer in der 10/2022. Für all diese Beiträge dankt ihm das gesamte Team der PLUS von Herzen – und wir sind schon gespannt, welche Themen er in Zukunft ‚auf den Punkt' bringen wird.-mh-

 

Weitere Informationen

  • Ausgabe: 10
  • Jahr: 2022
  • Autoren: Hans-Joachim Friedrichkeit

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